Von Günther Krauß

Rund 83 000 Fluggäste sind im vergangenen Jahr auf dem Flugplatz Gando auf Gran Canaria, der drittgrößten Insel des Kanarischen Archipels, gezählt worden. Noch im Jahre 1963 waren es erst 44 000. Zwar können die Auguren des Fremdenverkehrs, die Statistiker, nicht sagen, wie hoch diese Zahlen in zwei oder fünf Jahren sein werden, doch heute ist der Fremdenstrom zu den „Inseln des ewigen Frühlings“ schon zehnmal so stark wie vor zehn Jahren. Die meisten deutschen Flughäfen haben jetzt auch in den Wintermonaten Nonstop-Flugverbindungen nach Las Palmas und Santa Cruz de Teneriffa bei Flugzeiten von sieben bis acht Stunden in Propellermaschinen. Die Boeing 727, zum Beispiel von Frankfurt aus im Sonderflugnetz von Touropa und Scharnow eingesetzt, schafft den Viertausendkilometerflug sogar in gut vier Stunden. In diesem Winter werden vierzehn Tage Ferien (mit Zimmer und Frühstück) in einer einfachen Residencia unter der 500-Mark-Grenze angeboten.

Zwar ist die Entwicklung auf den Kanarischen Inseln nicht so stürmisch wie in den letzten Jahren auf den Balearen (auf dem Flughafen S. Juan auf Mallorca wurden voriges Jahr über eine halbe Million Fluggäste gezählt), doch ist auch hier alles im Umbruch. In Puerto de la Cruz und Las Palmas schießen immer neue Hotels aus dem Boden, entstehen völlig neue Stadtteile mit Bungalows und Appartement-Hochhäusern. Bajamar, an der Nordküste Teneriffas, ist, nicht zuletzt dank seiner „Naturschwimmbäder“, aus einem kleinen Fischerstädtchen zu einem Zentrum des modernen Tourismus geworden, „dessen Strände vom Taumel der Bautätigkeit für den Fremdenverkehr ergriffen sind“.

Schon greift der Fremdenverkehr nach Orten wie Icod de los Vinos unter dem dreitausendjährigen Drachenbaum oder den blühenden Gärten des Orotavatales und der Punta del Hidalgo bei Bajamar. In Medano an der Südküste Teneriffas, noch abseits des großen Touristenstromes, ist erst in jüngster Zeit ein modernes Hotel mitten ins Meer gebaut worden, und an der Costa del Silencio entsteht gerade eine neue Touristenstadt. Aber auch in der „Saharalandschaft“ im Süden Gran Canarias mit ihren unendlichen goldgelben Sandstränden, mit riesigen Wanderdünen und grünen Oasen wird es bald mit der Einsamkeit zu Ende sein, wenn einmal das ganze Projekt einer Ferienstadt um San Augustin und Maspalomas, dessen erster Bauabschnitt im Dezember dieses Jahres fertiggestellt sein soll, vollendet ist.

Schon jetzt bieten einige Reiseunternehmen (Hapag-Lloyd-Reise à la carte, Airtour, Delta-Tours) Ferienziele auch auf den kleineren Inseln an, etwa im Parador Nacional de Arrecife auf Lanzarote, jener knapp 800 qkm großen, Afrika nahen Insel mit nur 36 000 Einwohnern, die man wegen ihrer bizarren Vulkankrater mit einer Mondlandschaft verglichen hat und die ob ihrer phantastischen Farbkontraste von Malern bevorzugt wird. Unterwasserfischer haben hier ein Dorado, denn das Wasser ist glasklar, und die Fische sind, wie es in einer Reisebüro-Charakteristik der Insel heißt, „noch so zutraulich, daß sie sich leicht fangen lassen“.

Hundert Kilometer ist man hier nur von der Küste Afrikas entfernt. Die Sandbadestrände von La Tinosa und Playa Bianca liegen zehn und fünfundzwanzig Kilometer vom Hotel entfernt. Doch Taxifahrten sind auf der Insel keine kostspielige Angelegenheit. (Hapag-Lloyd bietet als Einzelpauschalreise 14 Tage Vollpension ab Hamburg für 1332 Mark an.)

Oder auf La Palma mit zweitausend Meter hohen Bergen und tiefen Schluchten und feinen, schwarzen Sandstränden. Noch sind die anderen Inseln vom Fremdenverkehr so gut wie unberührt und den „Abenteurern“ unter den Touristen vorbehalten: Die Halbinsel Jandia etwa auf Fuerteventura, Gomera mit ihren Laubwäldern, steilen Küstenfelsen und einsamen Stränden und Hierro, mit 300 qkm und 8000 Einwohnern die kleinste, einsamste und „strengste“ unter ihnen. Auf Gomera verständigen sich die Leute noch heute über viele Kilometer mit Hilfe einer Pfeifsprache, die wie die Trommelsprache der Neger funktioniert.