Bisher war das Modell klar, durch viele Berichte bis zur Langweiligkeit bezeugt: Demonstrationen in Indonesien konnten nichts anderes sein als antiwestliche Demonstrationen. Wenn Fensterscheiben zu Bruch gingen, dann waren es imperialistische Fensterscheiben, amerikanische oder englische zumeist. Und wenn Flammen aufzüngelten über geplündertem Mobiliar, dann mußte es neokolonialistisches Mobiliar sein.

Was freilich dieser Tage in Djakarta oder anderwärts auf dem indonesischen Archipel verwüstet wird, sind die Einrichtungsgegenstände jener Quartiere, die noch bis vor kurzem ein Netz heimlicher Herrschaftszentren im Land gebildet haben: der kommunistischen Partei.

Seit dem mißglückten Putsch in Djakarta, der von den Kommunisten angezettelt, mindestens aber begünstigt wurde, sind die Kommunisten vogelfrei – in den Städten, in den Bergen, in den Wäldern. Das Militär, rachedurstig nach dem Mord an sechs Generälen, jagt den Feind erbarmungslos. Die Offiziere wissen, daß auch dieser Feind erbarmungslos gewesen wäre.

Seit Anfang dieser Woche ist jene Partei, die jahrelang stolz von sich gesagt hatte, sie sei mit ihren drei Millionen Mitgliedern die größte kommunistische Partei außerhalb des roten Herrschaftsgebietes, illegal. Sie wurde in Djakarta verboten; das haben die Generäle durchgesetzt.

Und Sukarno hat sich gefügt – er, der doch die Kommunisten vor dem Putsch mehr und mehr an das Zentrum der Macht heranließ und der sie nach dem Putsch zu verteidigen suchte, oder doch mindestens vermied, sie zu beschuldigen. Blieb ihm etwas anderes übrig? Alles. deutet darauf hin, daß Sukarno die Zügel der Macht nicht mehr fest in den Händen hält. Der 64jährige schwer nierenkranke Präsident, von seinem Volk einst als „Mr. Indonesia“ vergöttert, von der Welt häufig kritisiert, aber immer als eine der herausragenden Politikerpersönlichkeiten Asiens geachtet, dieser Mann sieht sein Erbe zerrinnen. Nicht an der Bahre Sukarnos, sondern schon zu seinen Lebzeiten haben die Diadochen ihre Kämpfe begonnen.

Sukarno hat während der letzten Woche ein ums andere Mal den Linksputsch als einen „Zwischenfall“ hinzustellen versucht. Mag sein, daß er, dessen Verhältnis zur Realität während der letzten Monate offenbar immer lockerer geworden ist, nicht sieht, was ist. Aber es könnte ebenso gut zutreffen, daß er das Ausmaß seines Scheiterns erkannt hat und daß es ihm jetzt nur noch darauf ankommt, seinem Volk einen mörderischen Bürgerkrieg zu ersparen. Wäre dem so, dann hätte der häufig und wohl zu Unrecht, als Playboy der Politik verspottete Achmed Sukarno die Dimension einer tragischen Figur gewonnen.

Der indonesische Präsident hat jetzt seine Landsleute beschworen, „den Geist der Eintracht und der nationalen Einheit“ weiterhin lebendig zu erhalten. Mit derlei Appellen verstand es Sukarno in der Vergangenheit schon mehr als einmal, Gefahrensituationen zu überwinden. Aber früher tat er dies von jener gesicherten Position aus, die er sich als „Mr. Indonesia“ erkämpft hatte. Heute sind es die flehentlichen Worte eines Staatsmannes, der vor den Trümmern seiner Politik steht.