Grzimek oder Elefant? Die scheinbar absurde Frage ist in diesem Falle nicht nur erlaubt, sie drängt sich dem Käufer sogar auf – denn er muß sich entscheiden zwischen zwei Spielen, die ihn zum Großwildjäger (und natürlich: Großwildheger) am Tisch machen. Den einen Deckel schmückt das Konterfei des Zoologen, den anderen eben jenes Rüsseltier. Fangen wir damit an:

„Wild Life“; Otto Maier Verlag, Ravensburg; Karton mit Spielplan, 48 Tier- und 60 Ereigniskarten, vier Großwildjägern, zwei Würfeln, 48 transparenten Deckplättchen und 300 000 Mark Spielgeld, alles in feinem Kunststoffeinsatz gelagert; Nr. 11157 für zwei bis fünf Personen; 19,80 DM.

Es ist ein ausgezeichnetes Spiel, und gerade deshalb verstimmt es mich, „angehauen“ zu werden für die Aktion „Natur in Gefahr“, um „Aufnahme in den Kreis der Förderer des WWE zu bitten“. WWF heißt „World Wildlife Found“. Und damit ich ja ein rechtes Verlangen bekomme, illustren Kreisen nahe zu kommen, stellt man mir als Präsidenten diverse gekrönte Häupter, Dwight D. Eisenhower und Bundestagspräsident Gerstenmaier vor, der so gern auf Großwildjagd geht.

Der solchermaßen um Mitgliedschaft angegangene Spieler mag sich winden wie er will: Er hat schon gespendet, denn der Verlag liefert einen Teil des Kaufpreises an den Weltwildtierfonds ab.

„Wild Life“ ist das ziemlich reinrassige Nesthäkchen der Familie „Monopoly“ (DIE ZEIT Nr. 8 und 13, 14, 27) mit Rundlauf, Ereigniskarten und einem Haufen Geld. Dieses Geld trägt übrigens, wie die Ravensburger Spielwährung immer, das Profil eines bärtigen Mannes. Es ist Otto Maier, der Begründer des Verlags. Ein liebenswürdiges Denkmal.

Doch weiter: Zuerst erwerben die Teilnehmer einen der vier Zoos in den Ecken des Spielplanes. Die Preise schwanken etwas unrealistisch zwischen ein- und fünfzehntausend Mark. Doch das ist eine Falle: zum billigen Zoo gehören die teuersten Tiere! Nun begeben sich die Herrschaften Tierfänger per Würfel auf die Reise, des öfteren kreuz und quer durch aller Herren Länder, Europa ausgenommen. So treffen sie auf allerlei Getier, das sie auch sogleich einfangen, egal ob es für den eigenen Zoo paßt oder nicht, denn wohlfeiler als zum Selbstkostenpreis (Fangkosten) kriegen sie das exotische Wild nirgends. Die Tierhändler der diversen Kontinente geben zwar noch dreißig Prozent Rabatt auf den Realwert, von den Kollegen jedoch ist keinerlei Kulanz zu erwarten. Und man muß berappen; denn wer als erster einen voll besetzten Zoo vorweisen kann, ist Sieger.

Dies aber geht nur mühsam vonstatten. Das Geld wird knapp, denn die Kollegen fordern, sobald man in ihren Tiergärten erscheint (und das ist bei diesem Spiel obligatorisch), für jedes mitgebrachte Tier eine saftige Verpflegungspauschale. Für einen Kakadu beispielsweise hat man den Wucherpreis von 800 Mark zu zahlen. Überhaupt scheinen in dieser so romantischen Branche rauhe Sitten zu herrschen, als da sind: betrügerische Machenschaften oder Saufereien; zu kärgliches Füttern und Mißbrauch (?) von Tieren für unedle Zwecke. Der Spieler erfährt dies auf den dreierlei Ereigniskarten, die er jeweils zu nehmen hat, wenn er auf ein Schiff oder in einen Hafen gerät, oder aber einen Pasch (gleiche Augenzahl auf beiden Würfeln) wirft.