Von Hansgert Soiné

Hinter Schirnding. Weit hinten, wo die Landschaft immer schöner und die Straße immer schlechter wird, öffnet sich ein Schlagbaum und gibt den Weg frei gen Osten. Die Beamten sind höflich, fast freundlich. Das Gepäck bleibt unbeachtet. Das mitgebrachte deutsche Geld, Photoapparate, Ferngläser und Jagdwaffen werden registriert.

Plötzlich ist der Reisebegleiter da. Ein freundlicher junger Mann vom staatlichen Reisebüro Čedok. Zwei weitere Schlagbäume müssen sich heben, ehe der Weg frei ist.

Beiderseits der Straße hinter der Grenze schlecht bestellte oder gänzlich unbebaute Äcker. Riesige Flächen liegen brach. Die Straßen sind voll böser Überraschungen. Schlaglöcher, Bodenwellen. Mittelstreifen und Seitenmarkierung sind so gut wie unbekannt. Wegweiser sparsam und versteckt. Aber die Menschen sind hilfsbereit. Immer findet sich jemand, der gut deutsch spricht. Und so entgegenkommend waren auch die Förster in den Revieren an unserem Ziel, sechzig Kilometer südwestlich von Prag.

Der eine, ein gewichtiger Mann mit Backenbart, ähnelt einer Märchenfigur. Seine tiefe Stimme, das bedachtsam gesetzte, nicht mehr ganz selbstverständliche Deutsch geben ihm ein wenig von der Wehmut und Schwere des Landes, der Melodien von Smetana und Dvorák.

Der Förster im benachbarten Revier, noch sehr jung, stets mit stoppligem Bart, schnitzt wahre Kunstwerke aus einheimischen Hölzern, der seltenen Mooreiche, Linde, Kirsche. Sehr hübsch auch eine Tischplatte, in der er alle Holzarten seines Reviers eingelegt hat.

Nur während der ersten Tage essen wir im Hotel. Dann sind wir Gäste im Forsthaus. Maminka, Mütterchen, sorgt für Essen; Tatinek, Väterchen, für Getränke. „Wenn Geld, Frau nicht wissen, dann Bier trinken!“ Bier gibt es in unterschiedlicher Qualität. Noch tragen es die Kinder in Krügen über die Straße, wie einst in Schlesien. Pilsner Urquell ist rar und teuer.