Frankreichs fünf EWG-Partner, die Paris zur Wiedereinnahme seines Platzes in Brüssel eingeladen haben, „zeigen ‚Einsicht‘ in de Gaulles Thesen“ – „sie haben den EWG-Vertrag gebrochen“, indem sie zu fünft mit Hallsteins böser Kommission in Brüssel Beschlüsse faßten – „sie traten vor de Gaulles Logik den Rückzug an“ – „sie bestehen immer noch auf den unerträglichen Mehrheitsabstimmungen im EWG-Ministerrat und auf einer starken, supranationalen Hallstein-Kommission“ – „sie haben mit der Einladung an Frankreich ihren konstruktiven Willen bewiesen, das Gespräch zu sechst wieder anzuknüpfen.“

Wer meint, dieser babylonische Wirrwarr an Kommentaren aus Paris stamme von verschiedenen Parteien oder Personen, irrt: widersprüchlich dokumentieren Frankreichs Gaullisten ihre Verlegenheit – die zitierten Äußerungen stammen von zwei von ihnen, wobei jeder sowohl Positives wie Negatives beigesteuert hat. Der Grund für dieses Durcheinander ist klar: de Gaulle paßt die „ganze Richtung“ nicht, wie sie im Bekenntnis der Fünf zum EWG-Vertrag zum Ausdruck kommt. Inzwischen hat, Frankreichs Opposition sich für den Wahlkampf des dankbaren Europa-Themas angenommen. So muß Außenminister Couve de Murville, der seit Mitte dieser Woche die Antwort an die Fünf ausarbeiten läßt, nolens volens einen milden (aber natürlich unverbindlichen) Ton anstimmen.

Noch etwas erbost in Paris: Die Deutschen sind mit ihrem wirtschaftspolitischen Konzept durchgedrungen, wonach die ganze EWG „harmonisch“ – also nicht nur in der Landwirtschaft – entwickelt werden muß. Das wollten die Franzosen sich „abkaufen“ lassen – nun stehen sie auch hier einer Front gegenüber. hb