Der Bahnübergang war unbeschränkt, aber ausreichend mit Warnschild, drei Baken und Blinklicht gekennzeichnet.

Der Mann, der Frank hieß, überquerte diesen Bahnübergang viele Male in seinem Leben. Meistens geschah das am Freitagabend auf dem Weg nach Süden und am Montag, sehr früh, in entgegengesetzter Richtung.

Der Zug überquerte den Bahnübergang jeden Tag viermal. Es waren zwei Zugpaare, die sich hier kreuzten, eines am Morgen, das andere gegen Feierabend.

Die Zugpaare kreuzten sich etwa dreihundert Meter ostwärts des Bahnübergangs auf der Ausweichstelle, die sich vor einer kleinen Station befand.

Der Mann, der Frank hieß, erfuhr in seinem ganzen Leben nicht die genauen Fahrzeiten der Züge. Er nahm sich zwar bei jeder Überquerung des Bahndammes vor, sie gelegentlich auf der kleinen Station zu erfragen, es kam aber nie dazu. Freitags hatte er keine Neigung, seine Fahrt zu unterbrechen, montags keine Zeit.

Frank sagte sich, daß es gut wäre, die genauen Fahrzeiten der Züge zu wissen, weil der Bahnübergang unbeschrankt war und nach einer langen geraden Wegstrecke im Scheitelpunkt einer spitzen Kurve lag. Weil also die Gefahr bestand, daß man einmal achtlos mit hoher Geschwindigkeit auf ihn zugeschossen kam. Er erfuhr die genauen Fahrzeiten nie.

Frank besaß ein Sommerhäuschen an einem Teich in einem einsamen Waldgelände, rund einhundert Kilometer südlich von seiner Stadtwohnung.