Virginia Cowles: Wilhelm der Kaiser. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Claus Velmeden; Verlag Heinrich Scheffler, Frankfurt am Main; 412 Seiten, 35 Abbildungen; 19,80 DM.

Das Buch ist zuerst in Amerika erschienen und von Werner Richter in der ZEIT besprochen worden. Wir wiederholen aus seiner Besprechung die folgenden Sätze:

Virginia Cowles, eine in London lebende Amerikanerin, ausgesprochen angelsächsischen Typs, hat sich daran gemacht, das Leben Wilhelms II. darzustellen, der zu seiner Zeit überall kurzweg „der Kaiser“ hieß. Es ist eine ehrliche Bemühung um einen der schwierigsten und daher mißverständlichsten Charaktere neuerer Geschichte. Offenkundig ist die Autorin um einen maßvollen Ton bemüht, und ihre Erziehung läßt sie Gehässigkeit vermeiden.

Was allerdings die Verantwortung für den Krieg von 1914 angeht, so kommt auch sie nicht über das hinaus, was allmählich allgemeine Meinung der Unparteiischen wurde: daß der Kaiser weit lieber im Frieden weitergelebt hätte, daß er aber den Frieden für am besten gesichert hielt, wenn er zu Wasser und zu Lande glänzende Kriegsinstrumente besaß und eine barsche, martialische Sprache führte, hinter der freilich keine Tatbereitschaft stand, sondern die ihn im Gegenteil davor schützen sollte, zu Taten gezwungen zu werden.