Langgestreckte flache Gebäude in hellen Tönen, ein weites Gelände, bespickt mit Autos, rieselnde Musik – unaufdringlich zwar, doch unentwegt –, höchstens einmal unterbrochen durch Ansagen: „Herr Müller, bitte zum Springbrunnen kommen“ oder „Frau Meier, Ihre kleine Gisela finden Sie im Kindergarten“ – das ist der erste Eindruck, den ein neuer Besucher von Europas größtem Einkaufzentrum, dem Main-Taunus-Zentrum, gewinnt.

Als dieses nach dem Vorbild amerikanischer shopping-center errichtete erste echte Einkaufszentrum auf deutschem Boden im Frühjahr letzten Jahres gerade seine Tore – oder besser seine Parkplätze – geöffnet hatte, sprach man weithin noch von einem mutigen Experiment. Und diese Formulierung drückte zugleich die Skepsis aus, die vielfach gehegt wurde.

Heute kann Hans Murbach, Geschäftsführer der Deutschen Einkaufszentrum GmbH, Frankfurt, mit berechtigtem Stolz feststellen: „Die Kritiker sind verstummt. Die Rentabilität des Zentrums ist gegeben, kein einziger unserer Mieter steht noch in der Verlustzone.“

Eine langwierige Vorgeschichte mußte sich abspulen, ehe das „MTZ“ – auch hier muß eine Abkürzung herhalten – unter gewaltigem Dröhnen der Werbetrommeln Anfang Mai 1964 starten konnte. Es war im Juni 1961, als sich die Deutsche Einkaufszentrum GmbH zum ersten Male vorstellte. Seinerzeit zeichneten als Geschäftsführer Jerry Shefsky aus Toronto und Vincent Cariste aus dem Staate New Jersey. Hinter ihnen, als Geldgeber für die 5 Millionen Mark Stammkapital, standen der Privatbankier Frederik Burton, Toronto, und die zur Bennett-Gruppe zählende Principal Investments Ltd., Toronto.

Am Nordrande von Frankfurt-Höchst, an der Kreuzung der Autobahn Frankfurt–Wiesbaden mit der Bundesstraße 8, die durch den Taunus nach Limburg führt, war ein Gelände von etwa 200 000 Quadratmetern erworben worden. Dort also sollte unter kanadischer Ägide mit einem Kostenaufwand von 37 Millionen Mark die für Deutschland neuartige Institution eines Einkaufszentrums entstehen.

Bald darauf hieß es schon, die Eröffnung sei für das Frühjahr 1963 vorgesehen. Wegen der starken Nachfrage aus der deutschen Geschäftswelt werde man nun ein mit über 40 000 Quadratmetern doppelt so großes Zentrum wie anfänglich vorgesehen einrichten. Mit dem Zirkel schlugen die Amerikaner einen Kreis von 30 Kilometern Radius um das in der Gemarkung Sulzbach geplante Zentrum, wiesen darauf hin, daß in diesem Gebiet rund eineinhalb Millionen Menschen wohnen und folgerten: Bei den herrschenden und immer prekärer werdenden Verkehrsverhältnissen in den Großstädten muß dieses Einkaufszentrum ein Erfolg werden.

Nun, das Zentrum wurde trotz aller Unkerei in den folgenden Jahren Wirklichkeit, jedoch nicht als kanadischer Ableger. Weit über die Erdbewegungen und die Fixierung einiger Mietverträge waren die Amerikaner nicht hinausgekommen, als im März 1963 die Deutsche Einkaufszentrum GmbH von der Intershop Holding AG, Zürich, und der AG für Grundbesitz und Handel, Berlin, übernommen wurde.