Von Stefan Heym

Kein Naturgesetz verbietet irgendeinem Menschen, für sich zu denken und zu sprechen.“ „Die Führerpersönlichkeiten, dachte Lenz, schrumpfen bei näherer Bekanntschaft zusammen, und wer sie einmal ihre Weisheiten wiederkäuen gehört hat, argwöhnt bald, daß all ihre Rede aus Wiedergekäutem besteht.“

„... nichts Wesentliches wurde gesagt, kleinliche Beschwerden, unbedeutende Vorschläge, enge Horizonte; ... War es dies, was man Regieren nannte? Und wurden die Geschäfte eines Staates, noch dazu eines revolutionären Staates, wirklich von Männern dieser Art geführt und auf diese Weise?“

„Der wahre Demokrat sollte überhaupt nicht Beamter werden. Sobald man auf einem Stuhl sitzt und ein Gehalt bezieht, geht einem die Unabhängigkeit verloren. Man fängt an, Rücksichten zu nehmen, man blickt hinter und über sich anstatt vorwärts, und im Handumdrehen wird aus einem anständigen Menschen ein Kriecher, der nur vor seinen Untergebenen große Reden führt, vor seinen Dienstboten und vor seiner Frau.“

„Wenn eine Bürokratie anfängt, sich Grundsätze zuzulegen, wird sie einfach dumm, verbockt und unmenschlich.“

„Eine Bürokratie, die den Kindern das trockene Brot vom Munde nimmt und ihnen dafür – Stempel und Papiere gibt! Eine Polizei, die in den Gedanken der Menschen herumschnüffelt und den Leuten die Nase in die Schränke steckt und unter den Betten sucht und ihnen dafür – das Zuchthaus gibt! In den Gefängnissen sitzen die besten Köpfe des Landes, die größten Demokraten, die tapfersten Revolutionäre!“

„Das war ein wundervoller Gedanke, eine großartige Perspektive: eine Welt ohne Polizei und ohne Polizeispitzel. Doch Stäbchen (ehemaliger Polizeispitzel, d. Red.) lächelte nur. ‚Aber aber‘, sagte er, ‚wie kann man sich so irren! Brauchen Sie mich etwa nicht?‘ ‚Sie brauchen – wieso?‘ ‚Aus dem gleichen Grund wie jede Regierung – weil ich allerhand weiß!‘ ‚Werden nicht auch Sie Informationen über Ihre Feinde brauchen‘ –, seine Stimme sank zu einem vertraulichen Flüstern herab, ,und übereinander‘?“