Von Hans Dichgans

Zu Ostern 1967 wird es keine Einschulung mehr geben. Erst im Herbst werden sich die Eingangsklassen erneut öffnen. Damit werden einige Abiturientenjahrgänge noch einmal um einige Monate älter.

Wer zwischen dem 1. April 1960 und dem 31. März 1961 geboren ist, verliert mindestens vier Monate. Nach der bisherigen Regelung hätte er normalerweise Ostern 1979 zum Abitur kommen können; nach der geplanten Regelung wird er erst im Herbst 1979 fertig.

Da die Schüler der Herbstklasse 1967 rechnerisch um 25 Prozent zahlreicher sein werden als ein normaler Jahrgang, werden die Schulen, die diese Massen räumlich nicht bewältigen können, möglichst viele auf den Herbstbeginn 1968 zurückstellen wollen. Auf diese Weise wirkt die Veralterung auf Jahre weiter. Daß der nächstfolgende Jahrgang einige Monate gewinnt, kann die hart betroffenen Gymnasiasten des vorhergehenden kaum trösten.

Das Statistische Bundesamt hat das Durchschnittsalter der Abiturienten in normalen Gymnasien mit 20,4 Jahren ermittelt. Die überlange planmäßige Schulzeit von dreizehn Jahren wird durch die abnorm hohe Anzahl der Fälle von Zurückstellen und Sitzenbleiben auf einsame Weltrekordhöhe getrieben, etwa zwei Jahre über das Normalalter hinaus, in dem die Schulzeit in allen anderen Ländern der Welt endet.

Die übliche Verteidigung, unsere Schulzeit dürfe länger sein als die des Auslandes, weil die beiden letzten Klassen der höheren Schule in Deutschland eine Funktion hätten, die in anderen Ländern zu einem Teil den ersten Studienjahren zufiele, ist offenbar unsinnig. Die Argumentation könnte nur dann einen Sinn haben, wenn dafür die Studienzeit in Deutschland kürzer wäre als anderswo.

Bekanntlich ist das Gegenteil der Fall. Woraus man dann wiederum ableiten könnte, daß die Gymnasialzeit eigentlich bei uns kürzer sein müßte. Die Länge der Gymnasialzeit und der Studienzeit darf nicht danach bemessen werden, welche Wichtigkeit die speziellen Fachleute dieser Bereiche ihrem eigenen Abschnitt beimessen, sondern nur danach, welche Bildungsform und welche Lebenssituation der einzelnen Altersklasse angemessen ist.