Samuel Barber: „Violinkonzert op. 14“ und Paul Hindemith: „Violinkonzert“; Isaac Stern, New Yorker Philharmoniker, Leitung Leonard Bernstein; CBS SBRG 72 345, 25,– DM

Die Aufnahme stellt zwei seltener gespielte Violinkonzerte gegenüber, die, beide 1939 komponiert, die Verschiedenartigkeit der Tendenzen einer Musik aufzeigen, die für manchen unserer heutigen Konzertbesucher oft genug noch die „Moderne“ schlechthin darstellt. Hindemith verabschiedete sich 1934 mit dem „Mathis“ von Deutschland – die auch damals schon gar nicht mehr so revolutionäre musikalische Sprache des „Mathis“ herrscht auch im Violinkonzert vor: Tonalität, Quintschichtungen, etwas akademische Formalität, etwas jugendbeschleunigter Rhythmus, Mixturenklänge und eingängige Melodik. Barber ist eher den umgekehrten Weg gegangen: Die neue Sprache der neuen Musik hat er erst spät benutzt, und die Anfänge fallen in das Violinkonzert, wo erste frisch-freche Dissonanzen in eine folkloristisch anmutende Melodienfülle eingestreut werden. Isaac Stern spielt beide Werke mit markantem, festem Ton, der Komponisten Wegwendung von der Romantik vollzieht er mit – was die Komponisten ungewollt an Expressivität nicht verhindern konnten, nutzt er geschickt. Bernsteins Neigung zu spontanem Ausbrechen in den Orchestertutti findet oft Gelegenheit, das sehr präzise New Yorker Spitzenorchester blendend vorzuführen.

H. J. H.