Von Pinchas E. Lapide

Siehe, wie fein und lieblich ist’s, daß Brüder einträchtig beieinanderwohnen!“ lautet ein Vers aus den Psalmen. Die Freude, im andern den Bruder und den Gast zu sehen – diese doppelte Eigenschaft, die so tief in Israels Erbe verwurzelt ist, machen die Beliebtheit des neuen Israel bei den Veranstaltern von internationalen Konferenzen und kulturellen Ereignissen aller Art verständlich.

Allein in den letzten zwölf Monaten fanden mehr als ein Dutzend internationaler Zusammenkünfte – wissenschaftliche Kongresse, Sportveranstaltungen, Bibel-Quiz und Festwochen – im Land der Heiligen Schrift statt.

Das hervorragende kulturelle Ereignis waren zweifellos die „Fünften Israelischen Festwochen für Musik und Theater“, die drei Wochen lang in den drei großen Städten des Landes – Jerusalem, Tel Aviv und Haifa – und in dem kürzlich ausgegrabenen römischen Amphitheater von Caesarea stattfanden. Sie brachten eine glanzvolle Reihe von berühmten Namen nach Israel: George Balanchine und sein New York City Ballet; Thomas Schippers, den bekannten amerikanischen Dirigenten; die Marlboro Players, unter der musikalischen Leitung von Rudolf Serkin. Und nicht zuletzt das Neger-Ensemble mit James Baldwins Stück „The Amen Corner“, das vorher auch in der Bundesrepublik aufgetreten war und hier nun von Galilea bis Beersheba vor vollen Häusern spielte. „Ich konnte nicht widerstehen, mir ‚The Amen Corner‘ in Israel anzusehen – wo ja schließlich alles seinen Ausgang nahm“, sagte James Baldwin auf einer Pressekonferenz in Tel Aviv. Die Hauptdarstellerin, die gewaltige Claudia McNeill, rief auf einer Pressekonferenz durch ihre Jiddisch-Kenntnis Begeisterung hervor.

Auf die Festwochen folgte – nach einer knapp einwöchigen Atempause für Israels Musikliebhaber – der dritte Internationale Harfen-Wettbewerb, der vierunddreißig erstklassige Harfenspieler aus vier Kontinenten in die Stadt König Davids, des Harfenspielers, brachte.

Auch im wissenschaftlichen Bereich herrschte Aktivität. Kaum war das Weltsymposion über Bibelforschung beendet, als die Internationale Kommission für Be- und Entwässerung in die Konferenzräume der Hebräischen Universität in Jerusalem einzog; ihr folgte Ende Juli der vierte Weltkongreß zur Erforschung der Geschichte des Judentums. Die Welt-Energie-Konferenz brachte vierundsiebzig Experten für Atomenergie, Wasserkraft und Brennstoffenergie nach Haifa, während der World University Service in Jerusalem ein internationales Seminar über studentische Selbsthilfe und Pläne zur internationalen Zusammenarbeit abhielt. Das wichtigste Ereignis dieser Art aber war zweifellos die Rechovot-Konferenz über Währungs- und Finanzprobleme in Entwicklungsländern. Zehn Tage lang debattierten führende Wirtschaftswissenschaftler der Industrienationen mit Ministern und Bankpräsidenten aus sechsunddreißig Entwicklungsstaaten über die Frage, wie man die Kluft zwischen „Reichen“ und „Habenichtsen“ am besten schließen könne.

Das israelische Theater war vor kurzem Schauplatz einer Auseinandersetzung zwischen Kritikern auf der einen und israelischen Dramatikern auf der anderen Seite. Die einen behaupteten, daß Shakespeare, Ibsen, Lorca und Sophokles, deren Werke in ausgezeichneten klassisch-hebräischen Übersetzungen vorliegen, den mittelmäßigen Anstrengungen unserer jungen Autoren weit überlegen seien; während die anderen die Ansicht vertraten, daß das israelische Theater seine Aufgabe vernachlässige, indem es „minderwertige Importe“ den hochwertigen „einheimischen Erzeugnissen“ vorzöge.