Die „größte Gipfelkonferenz aller Zeiten“, das „Zweite Bandung-Treffen“ aller afro-asiatischen Staaten in Algier, wird in diesem Jahr nicht mehr stattfinden. 32 Außenminister von 65 eingeladenen Staaten und Exilregierungen haben die Konferenz „auf unbestimmte Zeit“ vertagt, nachdem China und einige andere abgesagt hatten. Eine Konferenz ohne China, so meinten die algerischen Gastgeber, sei „wie ein Essen ohne Salz“.

Ursprünglich wollten sich die Bandung-Staaten schon im Juni treffen, aber wegen des Putsches in Algier wurde die Konferenz auf den 5. November verschoben. Damals hatte sich China einer Vertagung heftig widersetzt. Diesmal wünschte Peking selbst keine Konferenz,

1. weil die Mehrheit der Staaten auch die Sowjetunion einladen wollte,

2. weil der Termin „ungeeignet“ sei. Von vornherein waren auch die mit Peking befreundeten Nationen – Pakistan, Nordvietnam, Nordkorea, Kambodscha, Guinea, Mali, Tansania und der Kongo-Brazzaville – gegen den Termin. Allerdings zeigten eine Reihe anderer Staaten ebenfalls keine große Lust zu einer Konferenz, die so viele Spannungen offenbart hätte: zwischen

  • Moskau und Peking,
  • Indien und Pakistan,
  • Indonesien und Malaysia,
  • Singapur und Malaysia,
  • Indonesien und China,
  • Ghana und seinen Nachbarn.

Unvermeidbar hätte sich die Konferenz in verschiedene Fraktionen aufgespalten. Einige Regierungen wurden noch mehr in Verlegenheit gebracht, als Sowjets und Amerikaner ihnen zur Konferenz zuredeten, beide offensichtlich mit der Absicht, die Chinesen zu ärgern.

China, das sich als größtes Bandung-Land eine Führerrolle anmaßte, hatte nämlich an seinen Zielen keinen Zweifel gelassen: Die Konferenz sollte das amerikanische Vorgehen in Vietnam brandmarken und die „Revisionisten“ (sprich: Moskau) vom Konferenztisch fernhalten. Aber viele Entwicklungsländer wollten es mit ihren Geldgebern in Moskau und Washington nicht verderben. Außerdem hatte sich China durch seine Operationen am Himalaja viele Sympathien verscherzt. Peking konnte nicht länger auf einen großen Propagandaerfolg in Algier hoffen.

Fürs erste sieht es nicht so aus, als ob sich das gemeinsame Ziel der Bindung-Staaten – ein größeres Mitspracherecht in den Weltangelegenheiten – alsbald erreichen ließe. Das Desaster von Algier war kein gutes Omen für die „Dritte Welt“. Die „Washington Post“ kommentierte: „Wie alte Herren bei einem Klassentreffen, mußten die Initiatoren erkennen, daß sich die ursprünglichen Bindungen unter ihnen weitgehend gelockert haben.“