Scheinbar gelassen reagierte die Bundesregierung auf den Besuch des französischen Außenministers Couve de Murville in Moskau: Es sei immer nützlich, wenn ein Verbündeter den Sowjets die Sache des Westens vortragen könne.

Dennoch konnten Politiker auf beiden Seiten des Atlantiks ihre Sorge nicht ganz unterdrücken, daß de Gaulle, je mehr er sich von der NATO, den USA und der Bundesrepublik abwende, desto stärker Kontakte mit der Sowjetunion suchen werde. Einige spotteten freilich, der französische Präsident wolle lediglich für ein gutes Wahlklima in Frankreich sorgen.

Couve de Murville, der einen Besuch seines Kollegen Gromyko erwiderte, war keineswegs der erste französische Außenminister, der nach Moskau reiste. Vor ihm waren schon Laval (1935), Bidault (1944) und Pineau (1956) im Kreml zu Gast gewesen. Aber keiner wurde von der Sowjetpresse so herzlich begrüßt.

Bei Feierstunden in Moskau und Leningrad wurden Erinnerungen an die Waffenbrüderschaft im zweiten Weltkrieg beschworen. In der „Eremitage“ waren berühmte Gemälde aus dem Louvre zu sehen. Ministerpräsident Kossygin wurde, gegen seine Gewohnheit, fast überschwenglich: „Wir betrachten diese Reise als ein großes Plus in unseren Beziehungen.“

Im Schlußkommuniqué wurde viel vom Gemeinsamen und sehr wenig vom Trennenden gesprochen. Beide Länder wollen

  • Deutschland von einem atlantischen System nuklearer Waffen fernhalten,
  • den UN-Sicherheitsrat nicht durch die UN-Vollversammlung überspielen lassen,
  • die Genfer Abmachungen von 1954 als Basis für Verhandlungen über Vietnam beibehalten,
  • in der Weltraumforschung und beim Farbfernsehen zusammenarbeiten,
  • den Handel und die kulturellen Beziehungen verbessern.

Deutschland wurde im Kommuniqué gar nicht erwähnt, obwohl es ein Hauptthema der Gespräche war. Hinter den Kulissen war zu vernehmen, der französische Gast habe das Selbstbestimmungsrecht für die Deutschen verlangt, während die Sowjets ihre Zwei-Staaten-Theorie verfochten hätten.

Von Berlin war nicht weiter die Rede. Schon vor seiner Reise hatte Couve de Murville erklärt, bessere Beziehungen seien jetzt möglich, „da sie nicht mehr chronischen Krisen, wie etwa der Berlin-Krise, unterworfen sind“.