Von Egon Vacek

Heinz Barwich gehörte zu den Privilegierten in der DDR. Als Leiter des „Zentralinstituts für Kernforschung“ war er für das System ein wertvoller Mann. Er durfte sich auch eine abweichende Meinung erlauben. Barwich berichtet über seine Rolle in der DDR:

„Ich war nie in der Kommunistischen Partei. Ich habe mich einmal mit Ulbricht unter vier Augen unterhalten, kritisch natürlich. Und da sagte er mir: „Wissen Sie, die Parteilosen, die können ruhig mal Unsinn reden; aber bei den Genossen können wir das natürlich nicht dulden.’ Und als ich ein sehr kritisches Memorandum über die Arbeit im Wissenschaftlichen Rat geschrieben habe, sagte mir Erich Apel (stellvertretender Ministerpräsident der DDR): ‚Wir sind dir dankbar dafür. Du hast den Mut gehabt, auszusprechen, was andere Wissenschaftler nur denken. Es muß ausgesprochen werden, denn sonst entsteht Mißtrauen und die Leute verlieren die Zuversicht in unser System.‘“

„Apel hat das Memorandum Ulbricht gezeigt und darauf gedrungen, daß der es Chruschtschow vorlegt, und Chruschtschow hat damals gesagt: ‚Walter, Du mußt nicht alles glauben, was die Wissenschaftler sagen. Die geben immer scheußlich an. Die wollen immer mehr, als sie kriegen, auch bei uns.‘“

Was „kriegen“ denn die Wissenschaftler in der DDR?

„Professor Hertz, der Nobelpreisträger, mein Doktorvater, besitzt über eine Million Mark. Er nennt das sein ‚privates Wirtschaftswunder‘. Ich hatte rund eine Viertelmillion auf der Bank, die nun nach der Flucht natürlich weg ist.“

„Als ich 1955 aus der Sowjetunion zurückkam, war gerade die große Wende. Bis dahin waren ja die meisten besseren Wissenschaftler zum Westen abgewandert. Das hatte sehr oft rein materielle Gründe. Otto. Grotewohl hat 1955 zum ersten Mal die ,materiellen‘ Interessen wieder berücksichtigt. Es kam zu den berühmten Einzelverträgen mit 15 000 Mark monatlich als Maximum, dabei wurde gleich auch die Altersversorgung geregelt, die achtzig Prozent der Vertragssumme ausmachte. Ich hatte ein Monatsgehalt von 8000 Mark. Davon gingen ungefähr 20 Prozent für Steuern und Sozialbeiträge ab, also blieben 6400. Die gleiche Summe hätte ich mit 65 Jahren also als Pension bekommen – wenn ich geblieben wäre.“