Härte im politischen Kern

Unsere Industrieausstellung in Bukarest war gewiß ein schöner Prestigeerfolg – doch politisch maßen die Rumänen offensichtlich größeren Wert einer chinesischen Industrieschau bei, der die rumänische Presse vor kurzem ganze Seiten widmete. Gewiß findet sich in den Bukarester Zeitungen seit langem keine heftige Polemik gegen die Bundesrepublik – doch bei den Vereinten Nationen in New York sprach der rumänische Außenminister Manescu mit Formulierungen, wie sie heute nur noch die Chinesen benutzen, von den "Überresten des Zweiten Weltkrieges", die in Deutschland zu beseitigen seien, und vom Friedensvertrag auf der Basis der zwei deutschen Staaten.

Auch Graf Yorck, der auf seinem letzten französischen Posten Sympathien für de Gaulle gewann, kann dem mit seinen zwanzig Mitarbeitern in Bukarest nicht entgegenwirken. Ulbricht, der den Rumänen lange zürnte, trat im Sommer eine Art Canossagang nach Bukarest an und versöhnte sich leidlich mit dem neuen Parteichef Ceausescu.

Im benachbarten Sofia haust die bisher zehnköpfige Handelsvertretung der Bundesrepublik seit vielen Monaten im Hotel "Balkan" – unbeachtet und den meisten politisch interessierten Bulgaren unbekannt. Im Interesse des wachsenden Touristenverkehrs läßt die bulgarische Regierung ihre Handelsvertretung in Frankfurt am Main (mit stillschweigender Duldung Bonns) Einreisevisa ausstellen. Unserer Mission in Sofia ist theoretisch das gleiche Recht zugestanden worden, praktisch wird sie jedoch an dessen Ausübung gehindert, indem man sie in Monaten keine geeigneten Amts- und Wohnräume finden ließ. Ihr Leiter, Legationsrat Hermann, der sein sprödes Geschäft mit viel gutem Willen betreibt, findet zu offiziellen politischen Stellen keinen Kontakt. Seine Beamten – wie übrigens die meisten der vier Handelsvertretungen – leiden auch an eigener, privater Kontaktscheu. (Dabei ist oft ein Gemisch von Ostkomplexen, Kommunistenschreck und Agentenfurcht am Werk, die man den Leuten vorher einimpfte – statt ihnen ruhige, selbstsichere Weltoffenheit einzuflößen!)

Politisch ebenso isoliert muß sich Legationsrat Hardo Brückner in Budapest fühlen, obschon er mit seinen 17 Mitarbeitern die Hotelzeit überstanden hat. An einer zweistöckigen Villa in der Iszo-Utca prangt das Bundeswappen. Die Bundesrepublik ist Ungarns größter westlicher Handelspartner mit einem sechsprozentigen Anteil am Außenhandel – doch vor 1939 war Deutschlands Anteil mit vierzig Prozent so groß wie heute der Anteil der Sowjetunion. "Die Errichtung von Handelsmissionen in einigen sozialistischen Staaten, so auch in Ungarn, hat keine wirkliche Verbesserung der Beziehungen zwischen Westdeutschland und diesen Ländern gebracht", stellte kürzlich das Budapester Parteiblatt Nep Szabadsag" fest. Tatsächlich sind die Beziehungen, die Brückner, ein kluger, jovialer Bayer, zu manchen Ungarn anknüpfen konnte, eher wieder abgekühlt. Sein Warschauer Kollege Mumm von Schwarzenstein konnte auch wenig weiterkommen.

Bescheidene Wirkung in Warschau

Die polnischen Behörden zeigten nicht viel Eile, geeignete Gebäude als Amtssitz und Residenz für den Chef der Handelsvertretung anzubieten. Eine sparsame Bonner Finanzverwaltung hielt Ausschau nach Räumen, die auch für eine spätere normale Botschaft geeignet wären, also über die augenblicklichen Bedürfnisse hinausgehen – genau das aber ist schon ein Politikum: alle osteuropäischen Staaten wollten ja normale Botschaften, keine Ersatzlösungen; da jedoch Bonn nur zur Ausweichlösung bereit war, will man jetzt ihrer Aufwertung nicht Vorschub leisten.