Ben Gurion, der große alte Mann Israels, hat eine neue Enttäuschung erlebt: Bei der Parlamentswahl am Dienstag hat sich der von ihm selbst ernannte, später aber angefeindete Nachfolger Levi Eschkol durchgesetzt. Die regierende sozialdemokratische Mapai des 70 Jahre alten Ministerpräsidenten wurde wieder stärkste Partei, während die neue Rati-Partei des 79jährigen Ben Gurion nur ein paar von den 120 Sitzen in der Knesseth errang.

Im Frühjahr hatte sich Ben Gurion von der Mapai getrennt, weil sich Eschkol weigerte, einen elf Jahre alten Skandal im Sicherheitsdienst wieder aufzurollen. Zusammen mit einigen jüngeren Parteiführern bereicherte er das vielfältige politische Leben Israels um eine neue Partei, die das Land „auf einen dynamischen Weg“ zurückbringen sollte.

Doch der Mythos des alten Kämpfers beeindruckte die Wähler weniger als die ruhig-nüchterne Art seines Nachfolgers: „Israel braucht Stabilität. Ihr habt es nie so gut gehabt, und gebt Ihr uns eine Chance, kann es noch besser werden.“

Das Duell der Alten bescherte Israel den heftigsten Wahlkampf in der siebzehnjährigen Geschichte des Staates. Siebzehn Kandidatenlisten wurden den Wählern präsentiert, darunter allein vier größere Arbeiterparteien und zwei kommunistische Splittergruppen.

Außer Ben Gurion war für Eschkol eine Koalition der rechtsstehenden nationalistischen Herut-Partei und einer liberalen Splittergruppe gefährlich, die jedoch ihr Wahlziel nicht erreichte. Die eigentlichen Schwierigkeiten für Eschkol begannen jedoch, wie für Erhard, erst nach der Wahl, als er eine neue Koalitionsregierung zusammenzimmern mußte.