Zweimal beschäftigte sich der Südwestfunk in den letzten Wochen mit der Tätigkeit des „Bundesluftschutzverbandes“. Karlheinz Darweger deckte in einer Fernsehsendung des Regionalprogramms auf, wie die Funktionäre dieses Verbandes in sogenannten Jugendausbildungslagern dreizehn- bis vierzehnjährige Kinder mißbrauchen. Ein wenig von der Entschiedenheit Darwegers hätte auch Felix Pauli gut getan, der sich in dieser Funksendung mit den Konsequenzen der demnächst in Kraft tretenden Notstandsgesetze über den „Selbstschutz“ und den „Schutzraumbau“ beschäftigte.

Gelegentlich drang zwar in seinen Fragen und Kommentaren ein wenig Skepsis durch, zumeist aber übernahm er beflissen das verharmlosende Vokabular seiner Interviewpartner. Er sprach von „Ernstfall“ oder „Verteidigungsfall“, wenn Krieg gemeint war, und führte wiederholt das Wort „Selbstschutzgedanke“ im Mund, so als handele es sich um eine philosophische Richtung und nicht um eine Maßnahme im Hinblick auf den Krieg.

Denn daß man sich gegen den Krieg nicht wehren könne, das hatte dem Reporter Pauli der Direktor Pfleger vom „Bundesluftschutzverband“ mit einer Deutlichkeit gesagt, die selbst unseren Reporter zu einer kritischen Anmerkung veranlaßte. Pfleger wörtlich über den Krieg: „Leider müssen wir uns damit abfinden, daß wir das nicht selbst zu bestimmen haben, sondern daß uns das schicksalhaft überkommen wird.“

Und derselbe „Luftschutz“-Funktionär über die angebliche Reaktion der Bevölkerung bei einer Ausstellung von „Schutzbauten“: „Erst scheuen sie sich, die Schutzbauten zu betreten, und nachher ist das einhellige Urteil mit ganz geringen Ausnahmen: Wir sind froh, daß schon wieder (!) etwas für unseren Schutz getan wird, denn wir müssen uns ja damit abfinden, daß uns irgendwann eines Tages die Situation überrascht.“

Die „Situation“? Nun ja – wieder ein neues Wort für die allzu direkte Vokabel Krieg. So wird von den Leuten, die angeblich dazu bestellt sind, uns vor den Auswirkungen eines Krieges zu schützen, die Unausweichlichkeit, die Schicksalhaftigkeit eines dritten Weltkrieges beharrlich suggeriert – und das in einem Lande, dessen Regierung das Wort Friedensvertrag scheut wie der Teufel das Weihwasser und dessen Minister nach atomarer „Mitbestimmung“ schreien.

Und da beklagt Reporter Pauli die „Ressentiments“ der Bevölkerung gegenüber dem „Selbstschutzgedanken“. Einer Bevölkerung, die – wie er formuliert – „zwei Weltkriege mitgemacht hat und nun die Vorbereitungen für den Verteidigungsfall eines eventuellen dritten Weltkrieges miterleben muß“. Wer hat denn die beiden Weltkriege gemacht? Und woher hat Reporter Pauli die unerschütterliche Gewißheit, daß es sich bei einem dritten Weltkrieg um den „Verteidigungsfall“ handelt?

Dennoch, was die Sendung an Information bot, war interessant genug. Daß die „Luftschutz“-Vorbereitungen – wie ein führender Funktionär vor dem Mikrophon zugab – schon 1949 begonnen haben. Daß bei uns schon 700 Firmen am „Schutzraum“-Gesetz verdienen – und daß sich diese Zahl in den nächsten Jahren verdreifachen wird. Daß ein „Schutzraum“ mit allem Komfort und mit Notausstieg (wohin bitte?) 38 000 Mark kostet. Besonders aufschlußreich sind die Planungen, mit denen sich der „Bundesluftschutzverband“ über die noch fehlenden gesetzlichen Möglichkeiten hinwegsetzen will. Wer sich weigert, an den im „Selbstschutz“-Gesetz vorgesehenen „Ausbildungskursen“ teilzunehmen, kann bekanntlich nicht bestraft werden. Dazu ein führender „Luftschutz“-Funktionär: „Wir harren der Dinge, die auf uns zukommen, in welcher; Form nun der Hauptverwaltungsbeamte der Gemeinde die Möglichkeit hat, diese Selbstschutzpflichtigen irgendwie – ich möchte nicht sagen – bestrafen, sondern ihnen doch etwas aufzuerlegen, damit diese Selbstschutzpflichtigen tatsächlich diese Lehrgänge besuchen können – oder besuchen müssen.“ Rufus