Kaum hatte Harold Wilson in der Krise um Rhodesien etwas Zeit gewonnen, da geriet er schon wieder in Zeitnot. Am vorigen Wochenende hatte er bei seinen Verhandlungen mit dem „Cowboy-Kabinett“ in Salisbury in letzter Minute einen Kompromiß erreicht. Eine königliche Kommission – je ein Brite und ein Rhodesier – unter dem Vorsitz eines rhodesischen Richters, soll untersuchen, ob die Verfassung von 1961, die den Farbigen einige Sitze im Parlament zugesteht, nach entsprechenden Änderungen für alle Rhodesier annehmbar sei. Am Dienstag bereits stellte ihm der rhodesische Premier Ian Smith ein neues Ultimatum. Die Kommission müsse sofort mit ihrer Arbeit beginnen.

Premierminister Wilson hatte durch seinen überraschenden Flug nach Rhodesien die unmittelbar bevorstehende einseitige Unabhängigkeitserklärung der britischen Kolonie noch aufhalten können. Während in den Straßen von Salisbury Polizeihunde farbige und weiße Demonstranten auseinandertrieben, verhandelte Wilson mit den beiden rhodesischen Nationalistenführern Joshua Nkomo und Ndbaningi Sithole, die mit Hubschraubern aus einen, weit entfernten Internierungslager herbeigeholt wurden. Die beiden untereinander verfeindeten Farbigenführer waren nicht weniger unversöhnlich als die radikalen Weißen.

Schließlich mußte Wilson seine letzte Karte ausspielen. Die weißen Siedler warnte er vor den möglichen Folgen eines Abfalls von Großbritannien.

1. Rhodesiens Wirtschaft könne Sanktionen, zum Beispiel den Stopp aller Öllieferungen, nicht durchstehen. Die britische Flotte werde sogar die portugiesischen Häfen in Mozambique blockieren.

2. Sollte Rhodesien mit wirtschaftlichen Repressalien gegen die Nachbarrepublik Sambia zurückschlagen, würden Großbritannien und die USA nach Berliner Muster eine Luftbrücke nach Sambia organisieren.

3. London würde die Rhodesier künftig nicht mehr vor Interventionen der UN schützen.

Den Führern der Schwarzen, die eine sofortige Volksabstimmung (ein Mann – eine Stimme) und damit die Unterwerfung der weißen Minderheit verlangen, redete Wilson ebenfalls ins Gewissen: „Ein Donnerkeil, der vom Himmel niederfährt und Eure Feinde vernichtet, etwa ein Donnerkeil in Gestalt der Royal Air Force, wird nicht kommen.“ In London wiederholte der Premier noch einmal: „Dieses Problem ist nicht mit Waffengewalt zu lösen, sondern mit sehr viel gutem Willen beider Seiten.“