Weinkennerschaft kostet mehr als Geld. Sie erfordert Lust am Leben, Muße, Beharrlichkeit und jene Geduld, ohne die sublimierter Genuß nirgends entsteht. Und zur richtigen, großen Weinkennerschaft gehört der Keller – ganz abgesehen davon, daß Weinbesitz billiger ist, wenn man die Sorten jung erwirbt und im eigenen Keller ihr richtiges Alter erreichen läßt (bei Weißweinen ein bis sechs, bei Rotwein zwei bis zwölf Jahre, je nach Herkunftsgegend).

Also der Keller: ideal ist es, wenn man ihn beim Hausbau bereits berücksichtigen kann. Doch wer sich nicht extra des Weines wegen ein (neues) Haus bauen mag, kann meist auch in vorhandenen Kellern gut folgendes beherzigen:

Lage: Weinkeller sollten nach Norden liegen, das Deckengewölbe möglichst einen halben bis einen Meter unter der Erde, fern von Erschütterungsquellen wie Fabriken, Durchfahrtsstraßen mit Lastern und Tram usw. Weiter ist wichtig: der Keller muß gut zu lüften sein, darf nicht zu hell liegen und sollte über einen kleinen Vorraum oder Gang verfügen, der ihn isoliert.

Temperatur: Sie ist das Hauptproblem. Je besser der Wein ist, desto empfindlicher ist er gegen Temperaturschwankungen. Also braucht jeder Weinkeller ein Thermometer. Wein verlangt kühle, gleichmäßig temperierte, nicht zu trockene Luft. Feuchtigkeit schadet weniger, es darf aber nicht so feucht sein, daß das Wasser von den Wänden rinnt. Idealtemperatur für Weißwein: zwischen acht und zwölf Grad, Idealtemperatur für Rotwein: zwischen zehn und fünfzehn Grad. Temperaturschwankungen im Lauf des Jahres sind nur erlaubt, wenn sie fünf Grad nicht übersteigen. Weißwein altert rascher, wenn er zu warm liegt: in kühlen Kellern bleibt jeder Wein länger haltbar und gesund. Heizungskeller oder Keller mit Heizrohren scheiden also als Weinkeller aus.

Aufbewahrung: Jeder Wein muß liegen, damit der Pfropfen feucht bleibt. Wein atmet jedoch durch den Korken und kann durch ihn auch Fremdgeruch annehmen. Also keine stark riechenden Vorräte im Weinkeller aufbewahren, weder Seife noch Zwiebeln noch Petroleum. Es gibt gute und praktische Weinstellagen, in denen die Flaschen sehr schön luftig ruhen. Vielen Weinkennern sind sie zu licht, und sie schätzen sie nur als Regal in kühler Speisekammer, wo man den Wein ein, zwei Tage vorm Gebrauch an die Trinktemperatur gewöhnt.

Ernst Hornickel, Verfasser eines der Standardwerke über Wein („Die Spitzenweine Europas“, Seewald Verlag, Stuttgart) gibt folgenden Tip: „Die kleinen Ziegelröhren, die man sich von den Baumaterialiengeschäften anfahren lassen kann, ergeben aufeinandergeschichtet eine recht gute, wenn auch nicht billige Lagerstatt, wobei jede Flasche genau in eine Röhre paßt. Die Weine halten sich im Sommer darin länger kühl.“

Er schlägt vor, sich im Weinkeller zwei Sektionen einzurichten: