„Surrealismus heute“ (Leverkusen, Städtisches Museum Schloß Morsbroich): Die Ausstellung ist erstens ein glänzendes Debüt des neuen Museumsdirektors Rolf Wedewer, der sich bisher als Theoretiker und Kritiker betätigt hat und der mit Schloß Morsbroich ein Forum, ein Experimentierfeld in die Hand bekommen hat, um seine Gedanken zur Kunst der Gegenwart durch Ausstellungen zu demonstrieren. Die Ausstellung beweist zum zweiten, wie schwierig es ist, herkömmliche und halbwegs gesicherte Begriffe auf heutige Phänomene anzuwenden. Was hier als „Surrealismus heute“ unter dem Stichwort „Metamorphosen“ angeboten wird, hat mit dem klassischen Surrealismus der zwanziger Jahre, mit den Ideen von Breton und den Bildern von Max Ernst, Dali, Magritte wenig zu tun. Noch weniger freilich mit der Wiener Schule des „phantastischen Realismus“, die sich ebenfalls auf den Surrealismus, beruft. Der neue Surrealismus, wie Wedewer ihn mit Beispielen französischer, belgischer, deutscher und amerikanischer Maler vorführt, verzichtet auf die penetrante naive Gegenständlichkeit der Wiener Schule. Er hat sich die Erfahrungen des informel, der „abstraite lyrique“, aber auch der Neuen Figuration zu eigen gemacht. Er will unbekannte Zonen des Bewußtseins aktivieren, wobei es dem einzelnen Künstler überlassen ist, ob er seine Formen der visuellen Welt entnimmt, ob er sie als Analogien zu den realen Dingen entwickelt oder sie als autonome Zeichen für „innere Realität“ verwendet.

Der neue, nach vielen Seiten geöffnete Begriff erweist sich als ein Sammelbecken heterogener Kräfte. Die überragende Figur in dem Ensemble ist Wilfredo Lam (eine erste deutsche Gesamtausstellung wird für 1966 vorbereitet). Weiter sieht man die bei uns noch kaum bekannten sehr bemerkenswerten Maler der Pariser Gruppe „Phases“ wie Bernard Requijot, Jacques Lacomblez, Jacques Herold. Als deutsche Surrealisten wurden Bernard Schultze, mit frühen Arbeiten aus den Jahren 1946–1948, Horst-Egon Kalinowski mit einigen seiner aus Holz und Leder konstruierten „caissons“ („ ... der Versuch, erfahrenes Leben zu konservieren“), H. Ridder mit „variablen Figuren“ und Friedrich Meckseper mit gemalten und radierten „Stilleben“ eingeladen. Bis zum 28. November.

  • „Alte Kunst“ (Köln, Kunsthaus Lempertz): Die Herbstauktion vom 18. bis 20. November bringt Gemälde und Skulpturen des 15. bis 19. Jahrhunderts. Den ausgefallensten und interessantesten Komplex bildet eine Sammlung von rund vierzig manieristischen Bildern, die mit Namen wie Spranger, Heintz, Sellaert in Verbindung stehen und, da es sich weitgehend um „Zuschreibungen“ handelt, keineswegs hoch angesetzt sind. Außerdem wird eine geschlossene Kollektion von 120 Ikonen russischer, griechischer und balkanesischer Provenienz angeboten. Unter den Bildern des 19. Jahrhunderts gibt es einen Corot („Le secret de l’amour“, Schätzpreis 90 000 Mark), einen Courbet und eine Abendlandschaft von Thoma. Vorbesichtigung vom 10. bis 16. November.
  • „Moderne Klassiker“ (Düsseldorf, Galerie Dr. Rainer Horstmann): Was die jüngste deutsche Galerie in ihrer Eröffnungsschau bietet, dürfte Museen und anspruchsvolle Privatsammler interessieren. Von Kokoschka zwei ältere Gemälde und die neuesten Blumenaquarelle vom Sommer und Herbst 1965; eine „Kauernde Frau“ von Beckmann und eine 1943 datierte „Holländische Landschaft“; Aquarelle von Klee, Feininger, Nolde, Rohlfs, Heckel, Kirchner, Schmidt-Rottluff. Im Gegensatz zu den meist nach vorn orientierten Galerien will sich Dr. Horstmann ausschließlich mit den „klassischen Meistern der Kunst des 20. Jahrhunderts“ beschäftigen. Gottfried Sello