Mit dem Wintersemester 1965/66 beginnen die Vorlesungen in neun von siebzehn Abteilungen der Universität Bochum; nämlich denen für Evangelische und Katholische Theologie, Philosophie/Pädagogik/Psychologie, Geschichtswissenschaft, Philologie, Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Sozialwissenschaft, Geowissenschaften und Astronomie (Fach Geographie).

Man hat in Bochum versucht, die Wissenschaften in Abteilungen (an Stelle der traditionellen Fakultäten) zu ordnen, die „einen engen inneren sachlichen Zusammenhang aufweisen“, und zugleich zwischen diesen Abteilungen „Querverbindungen“ herzustellen.

Die Bochumer Juristen wollen, ähnlich wie ihre Kollegen an der neuen Gießener Fakultät, neue Arten von Lehrveranstaltungen einführen.

Die Dozenten – überwiegend junge Professoren, für die der Ruf an die Ruhr der erste war – haben sich ein Ziel gesetzt, das zu erreichen schier unmöglich erscheint: „Der Repetitor soll in Bochum keine Chance haben“, sagt Professor Dr. Ingo von Münch, Ordinarius für Öffentliches Recht.

Zum Repetitor, muß man wissen, gehen derzeit mindestens drei von vier Jurastudenten. In Bochum wollen die Professoren selbst Repetitorien für Examenssemester abhalten; aber sie werden es schwer haben, gegen die pädagogisch überlegenen, von wissenschaftlichen Skrupeln freien Privatlehrer anzukommen.

Der Erfolg der Repetitoren beruht auf dem gegenwärtigen Prüfungssystem. Das Referendarexamen, mit dem der Jurist sein Studium abschließt, wird von einer Prüfungskommission des für die Universitätsstadt zuständigen Ob’erlandesgerichts abgenommen. Es ist mehr „Justizeingangs-“ als Studienabschlußprüfung; die Praktiker (vor allem Richter) hatten in der Prüfung die Oberhand.

Wer das Examen bestehen will, muß notgedrungen mehr auf die Anforderungen der Prüfer sehen als auf das, was seine Universitätslehrer ihm beibringen möchten. Der Repetitor, der sich die Protokolle der Prüfungen beschafft und die Ergebnisse auswertet, kann dem Kandidaten viel genauer sagen als die Professoren, was ihn erwartet. Er ist einfach besser informiert.

Der run zum Repetitor wird nur dann nachlassen, wenn die Justizprüfungsämter sich zu engerer Zusammenarbeit mit den Universitäten bereitfinden. Hans Peter Bull