Von Nina Grunenberg

Schon zweimal scheiterten die Freien Demokraten im niedersächsischen Kultusministerium, und beide Male war Richard Langeheine der fröhliche Gewinner: 1956, als die FDP nach dem Schlüter-Skandal und dem glücklosen Versuch von Tantzen das Kultusministerium räumen mußte; und im Mai dieses Jahres, als der FDP-Minister Mühlenfeld im Konkordatstreit fiel.

Richard Langeheine wurde nicht nur ohne Mühe Kultusminister, die Verantwortlichen waren ihm dazu noch jedesmal dankbar für seine Bereitwilligkeit, als Phönix aus der Asche aufzusteigen. Und gerade im Feuer des Konkordatskampfes schien von der niedersächsischen Kulturpolitik nicht sehr viel mehr als ein Aschehaufen übrig geblieben zu sein.

Die SPD/FDP-Koalition war auseinandergebrochen. SPD-Ministerpräsident Diederichs hatte sich zu einer Großen Koalition mit der CDU entschlossen, deren Vorsitzender Richard Langeheine war.

Der Christdemokrat vergoß nicht lange Tränen, sondern griff fix und überlegen zu, sobald er den vertrauten Boden des Kultusministeriums am Schiff graben in Hannover betreten hatte: Den Geschlagenen drückte er sein Mitgefühl aus, die Lehrer versicherte er seines Verständnisses, der katholischen Kirche riet er zum Schweigen, die Bedenken der evangelischen Kirche redete er in den Wind, und Eltern und Studenten erklärte er bis in die Nachtstunden hinein, daß seiner Meinung nach der Fortschritt in der Kulturpolitik durch das Konkordat nicht behindert sei.

Gleichzeitig arbeiteten die Fachleute in seinem Ministerium fieberhaft an den Ausführungsbestimmungen zur veränderten Schulgesetznovelle: Die Broschüre lag schon in den Briefkästen der Bürger, bevor der Landtag das Gesetz zum dritten Male gelesen und verabschiedet hatte.

Langeheine war an den Verhandlungen Niedersachsens mit dem Heiligen Stuhl nicht beteiligt. Er kann nur noch rhetorisch fragen, „ob es überhaupt so weit kommen mußte, ob man nicht auch eine geschicktere Form hätte finden können“, gemäß seinem Postulat: „Um Himmels willen keine unnötigen Reaktionen hervorrufen.“