Von Ossip K. Flechtheim

Werner Link: Die Geschichte des Internationalen Jugend-Bundes (IJB) und des Internationalen Sozialistischen Kampf-Bundes (ISK). Marburger Abhandlungen zur Politischen Wissenschaft, Band 1; Verlag Anton Hain, Meisenheim am Glan, 33,– DM.

Hanno Drechsler: Die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD), Marburger Abhandlungen zur Politischen Wissenschaft, Band 2; Verlag Anton Hain, Meisenheim am Glan, 35,– DM.

K. H. Tjaden: Struktur und Funktion der „KPD-Opposition“ (KPO), Marburger Abhandlungen zur Politischen Wissenschaft, Band 4; Verlag Anton Hain, Meisenheim am Glan, 31,50 DM.

I.

Der Marburger Ordinarius für wissenschaftliche Politik, Wolfgang Abendroth, hat sich um die Geschichtsforschung und Politikwissenschaft sehr verdient gemacht, indem er die von ihm jetzt neu begründeten „Marburger Abhandlungen zur Politischen Wissenschaft“ mit drei Beiträgen zur Geschichte, Organisationssoziologie und Theorie der Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik und im Dritten Reich beginnen läßt. Den Verfassern aller drei Arbeiten ist es gelungen, das weit verstreute und zum Teil schwer zugängliche Material – Publikationen wie Akten, Archivbestände wie Interviews – ungewöhnlich gut auszuschöpfen. Darüber hinaus zeichnen sich die Studien durch klare Gliederung und tiefschürfende Analysen aus. Der Textteil jedes Bandes wird ergänzt durch eine reichhaltige Sammlung von Bibliographien, Biographien, Satzungen und sonstigen Originaldokumenten.

Wie Abendroth selber in seinem Vorwort zum ersten Band betont, müssen wir zur Berichtigung und Ergänzung des Geschichtsbildes der Weimarer Endphase, das sich bisher, was die Arbeiterbewegung anlangt, auf die beiden Massenparteien (Sozialdemokratische und Kommunistische Partei) konzentriert hat, auch die Absplitterungen von diesen untersuchen. Zwar haben diese kleinen Gruppen auf die praktische Politik der Linken keinen Einfluß nehmen können, sie haben aber zum Teil die Probleme richtiger gesehen und die Entwicklung richtiger vorausgesehen als die großen Parteien und Gewerkschaften. Schließlich sollen diese Bände in den Worten des Widerstandskämpfers Abendroth „das Gedächtnis des deutschen Volkes für jene mutigen Kämpfer für die Tradition humanen Denkens schärfen, die durch ihren persönlichen Einsatz in der dunkelsten Periode seiner Geschichte geholfen haben, seine Ehre zu retten“.