Von Rino Sanders

Auf einer Werbeversammlung in einem Kino preist ein netter Mann Bratpfannen an, in denen nichts anbrennt. Schließlich steht ein Ingenieur unter den Zuschauern auf und stellt höflich ein paar Sachfragen. Statt sie zu beantworten, fragt ihn der nette Mann giftig, ob er von einer gewissen Firma komme, und fügt hinzu, er wolle sich hier wohl wichtig tun. Darauf empören sich fast alle Zuschauer, und besonders die Frauen, gegen den Ingenieur. Er hat mit seiner Meckerei die schöne Vorführung gestört.

Die Geschichte ist wahr und überdies ein Gleichnis. Als ein solches findet man sie in einem, wie die Dinge nun einmal liegen, wohl explosiv zu nennenden Büchlein von –

Richard Matthias Müller: „Über Deutschland“; Walter Verlag, Olten/Freiburg; 174 S., Paperback 9,80 DM, Ln. 15,– DM.

Das Gleichnis trifft nicht nur die Praktiken politischen Umgangs in Deutschland; hier ist es besonders auf eine unserer schlimmsten Krankheiten, das „Gesunde Volksempfinden“, gemünzt – ein Empfinden, das im Hinblick auf das Wahlergebnis jüngst wieder einmal vom Springer-Orakel Hans Zehrer frohlockend berufen wurde.

Es ist didaktisch ins Gespräch zwischen einem Vater und seinem Sohn eingefügt. Aus solchen Gesprächen besteht das Buch. Es enthält 103 knappe Dialoge zwischen eben diesen Partnern. Thema: Die Demokratie und die Deutschen.

Der Dialog ist eine klassische Kunstform der Aufklärung, die Demokratie ihre politische Form. Alle Aufklärung ist optimistisch: Sie glaubt an die Selbsterlösung des Menschen durch die Vernunft. Deshalb hat sie die Kirche gegen sich. Dem Symbol der Trinität steht der Dialog gleichsam symbolisch gegenüber: Das Gespräch zwischen Du und Ich bedarf keiner übergeordneten Vermittlung.