Von Werner Höfer

Schaumwein schied aus, und Branntwein war nicht zur Hand. Milch hätte es sein sollen, weil dieses Naturprodukt – nach einem längst geronnenen Werbespruch – müde Männer munter macht. Aber man einigte sich auf Wein, ein Getränk, das mit seinen schäumenden und gebrannten Geschwistern immerhin zweierlei gemeinsam hat: die Abstammung (von der Traube) und den Wortstamm (vom Wein). Partner bei Gespräch und Getränk ist ein doppelzüngige-Getränke-Sprecher: Hans Neumann, in dessen Brust zwei einschlägige Industriezweige miteinander konkurrieren, wenn sie sich nicht weitgehend wechselseitig ausschlössen. Der Danziger Dipl.-Volkswirt aus dem Weltbad Wiesbaden ist Geschäftsführer des Verbandes der Weinbrennereien und des Verbandes deutscher Sektkellereien.

Sekt mit Wein – das geht; Sekt mit Bier – das geht auch. Weinbrand mit Wein – das müßte gehen; Weinbrand mit Bier – das geht immer wieder. Aber Weinbrand mit Schaumwein – ob das geht? Bei Hans Neumann geht es jetzt hervorragend, denn beide Getränke, für die er einsteht, bereiten ihm und den Vertretern seiner Branche zur Zeit kollektive Kopfschmerzen, alldieweil die Steuern für Branntwein (nicht nur für Weinbrand) und für Schaumwein, auch Sekt genannt, erhöht werden sollen. Dagegen wehren sich die Betroffenen mit Argumenten und mit Zahlen.

„... damit die Kirche im Dorf bleibt, Herr Neumann: Wer muß denn nun, wenn diese vorgeschlagene Steuererhöhung beschlossene Steuerwirklichkeit wird, die Zeche bezahlen, der unorganisierte stille Genießer oder der organisierte aktive Erzeuger?“

„Beide!“

Nun macht Branntwein- und Schaumwein-Experte Hans Neumann eine Kalkulation auf, die zunächst wie eine Milchmädchenrechnung aussieht, vor allem für das „Volksgetränk“ Sekt. Eine Steuererhöhung von 50 Prozent würde nämlich für jede normale Pulle, die jetzt mit einer Mark besteuert ist, eine Verteuerung von 50 Pfennig bedeuten. An die Trink- und Zahlgewohnheiten eines zech- und gebefreudigen Normalverbrauchers denkend, muß sich Hans Neumann den Einwand gefallen lassen, wegen dieser halben Mark würde wohl kaum einer Flasche weniger der Hals gebrochen.

Er gibt zu, bei den großen Marken der höheren Preisklasse würde diese Mehrbelastung vermutlich nicht erheblich zu Buche schlagen; er gibt aber gleichzeitig zu bedenken, daß der weitaus größere Teil des Schaumweins, der durch deutsche Kehlen rinnt, der billigen und billigsten Kategorie, unterhalb des Fünf-Mark-Eichstrichs, entspringt. In dieser Preisregion machten sich 50 Pfennig mehr oder weniger schon empfindlich bemerkbar.