Von Eka von Merveldt

Das Büro „Fast-Reisen“ liegt an der Ecke einer lebhaften Straße der Hamburger Innenstadt. Oben im Zimmer des Chefs muß man wegen des Lärms draußen manchmal aufpassen, daß die Worte des Gespräches nicht in den Teppich, die orientalischer Herkunft sind, ungehört versinken. Das Büro ist bescheiden, aber mit diesen Teppichen und einigen Porträtphotos individuell eingerichtet. Waldemar Fast, Reisebüroinhaber, Reiseunternehmer und seit vier Jahren der Sprecher unter den drei Präsidenten des Deutschen Reisebüroverbandes (DRV), ist in Jerusalem geboren, hat sein erstes Reisebüro in Palästina, dem heutigen Israel, eröffnet und den Krieg als „Schmalspurdiplomat“ hauptsächlich in der Türkei erlebt. Seine Eltern aber wurden in Palästina interniert und nach Australien transportiert. Im ersten Krieg waren sie und die Kinder in Ägypten interniert.

Die Fasts sind schon in der dritten Generation im Verkehrsgewerbe tätig. An der Wand über dem Schreibtisch hängt eine Tafel, auf der Vater Theodor – ein schöner alter Mann mit Spitzbart, dessen Bild daneben placiert ist – in kunstvoller Schrift die nach den Worten des Sohnes Waldemar etwas seltsame und weltweite Geschichte des Hauses aufgeschrieben und mit den optimistischen und polyglotten Schlußzeilen versehen hat: „Nun soll auf’s Neue in diesem Raum eine ersprießliche Arbeit in Angriff genommen werden, die den Krieg und kein Völkerhaß stören mögen. Faljahun hakatha inschallah. Möge Gott dies wahrwerden lassen. Sommer 1952.“

Alle Familienmitglieder sprechen mehrere Sprachen, auch die Frau von Waldemar Fast, die Dänin ist und auch im Geschäft mitarbeitet. Der Geschäftsinhaber hat es inzwischen auf neun Sprachen gebracht, in denen er sich ausdrücken kann, darunter natürlich arabisch, aber auch alle skandinavischen Sprachen, jedoch nicht finnisch; ebenso sind die Kinder, 22 und 9 Jahre alt, schon mehrsprachig.

„Wie kam es, Herr Fast, daß Sie sich, obwohl so tief im Süden geboren und aufgewachsen, in Ihrer Arbeit ganz auf den Norden spezialisiert haben?“

„Es begann durch eine, wie ich heute sagen kann, glückliche Fügung. Mein Vater schickte mich aus der damals kosmopolitischen Stadt Jerusalem, in der Mohammedaner, Griechen, Armenier, Juden, Engländer und auch deutsche Einwanderer zusammen lebten und zusammen arbeiteten, zu einem Freund, einem norwegischen Reeder nach Bergen in die Lehre. Ich lernte die Sprache, ich lernte das Land lieben. Dann ging ich wieder nach Palästina zurück und wurde, wie ich heute nachträglich feststellen kann, ein Pionier der Fliegerei.“

Im Jahre 1934 hatte der 23jährige Waldemar Fast sich in Jerusalem selbständig gemacht und eine Reiseagentur gegründet. „Mein Vater und ich haben in Palästina aus eigener Initiative nach natürlichen Landeplätzen gesucht und den Flugverkehr in jenen Jahren entwickeln helfen, als Generalvertreter von KLM, Lufthansa und anderen Gesellschaften. Zunächst fanden wir provisorische Landeplätze wie Jericho und Kalandia und schließlich Lydda, den heute größten Flughafen des Landes Israel.