Bankiers sind offensichtlich unverbesserliche Optimisten. Die zeitlich auf den Dezember begrenzte Senkung der Mindestreservesätze für Termin- und Sichteinlagen auf den Stand vom Juli 1964 begrüßten sie als erstes Anzeichen, daß die Bundesbank unter dem Druck der Kritik ihren Restriktionskurs aufgeben und wieder eine Politik des leichten Geldes betreiben würde. Von ihrem Optimismus waren die Bankiers auch nicht durch den Hinweis abzubringen, diese Maßnahme solle lediglich helfen, das Jahresende zu überbrücken, das an die Liquidität des Bankenapparates immer besonders hohe Anforderungen stellt.

Tatsächlich hat sich an dem Kurs der Bundesbank gar nichts geändert. Eine Erleichterungsmaßnahme hatte sie auch schon vor einem Jahr getroffen. Damals war über eine zeitweise Senkung des Lombardsatzes die Beleihung von Wertpapieren begünstigt worden. Während die Banken aber im Dezember 1964 damit rund 1,5 Milliarden Mark als Liquiditätshilfe erhielten, sind es in diesem Jahr nur rund 700 oder 800 Millionen.

Wie man aus dieser Entwicklung auf eine Kursänderung Blessings schließen kann, bleibt ein Rätsel, wenn man nicht den Wunsch als Vater des Gedankens voraussetzt. Es besteht auch wenig Anlaß, die bisherigen Restriktionen zu lockern, bevor nicht die Gefahrenzeichen für unsere Wirtschaft – Haushaltsdefizit, Preisauftrieb, überspannter Arbeitsmarkt – erlöschen. mh