Bunter und moderner präsentieren sich deutsche Streichholzschachteln in letzter Zeit. Die bei uns meistgekauften Welthölzer tragen ein neues Etikett: die roten Punkte über dem ö sind die Phosphorköpfchen von zwei Zündhölzern. Verändert sind auch die Zündholzbriefchen der Jupiter-Hölzer: nicht mehr rot, sondern blau und graphisch neu gestaltet gelangen sie jetzt in des Käufers Hand. Neu ist schließlich auch die Machart einer Zündholzschachtel der Firma von Deylen & Co: Sie besteht nicht mehr – wie in früheren Zeiten – aus Pappe, auch nicht – wie seit 1953 gebräuchlich – aus Holz, sondern aus Kunststoff.

Neuartig schließlich ist auch ein Erzeugnis, das der deutschen Wohlstands-Konsumgesellschaft bestens zu Gesicht steht: eine Luxus-Geschenk-Kassette, die seit kurzem von der Deutschen Zündholzfabriken GmbH gefertigt wird und zu einem Ladenpreis von mehr als 30 Mark an den Käufer gelangt. Mit diesem Großpreisartikel besitzt der deutsche Zündholzmarkt nunmehr 25 verschiedene Streichholzsorten.

Diese Sortenvielfalt und Modernisierungsleidenschaft deuten jedoch nur scheinbar auf eine Mengenkonjunktur in Streichhölzern oder gar auf einen buntgewürfelten Wettbewerbsmarkt. Davon kann keine Rede sein. Der Zündholzmarkt ist auf der Landkarte der Marktwirtschaft ein schwarzer Fleck. Jeder der 17 produzierenden bundesdeutschen Streichholzfabriken werden halbjährig im voraus bestimmte, feste Kontingente zugewiesen. So ist das Ausweichen in neue Sorten für deutsche Streichholzfertiger fast der einzige Weg zu höheren Renditen, da neue Sorten meist bessere Preise erbringen.

Freilich ist dieser höhere Preis keineswegs Sache der Produzenten. Er wird vielmehr von der gleichen Institution bestimmt, die auch die Kontingente festsetzt: von der Deutschen Zündwaren-Monopolgesellschaft‚ die ihren Sitz an der Frankfurter Neuen Kräme hat, im gesamten Bundesgebiet 126 Angestellte beschäftigt, in Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Karlsruhe und München Hauptverkaufsabteilungen und 90 eigene Streichholzlager zwischen Nordsee und Alpen unterhält; sie wird kontrolliert von zwei Bundeskommissaren, dem Ministerialdirigenten a. D. Dr. Johannes Schwandt vom Bundesfinanzministerium und dem Ministerialrat Dr. Walter Lenz vom Bundeswirtschaftsministerium.

An diese Monopolgesellschaft – sie ähnelt einer Aktiengesellschaft, bezeichnet sich aber als „Gesellschaft eigenen Rechts“ und ist von der Körperschaftsteuer befreit – wird die gesamte deutsche Zündwaren-Produktion abgeliefert. Von ihr wird sie an den Handel weitergeleitet.

Aber die preislichen Kompetenzen der Deutschen Zündwaren-Monopolgesellschaft sind begrenzt. Sie darf nur für 8 Prozent – maximal 10 Prozent – des bundesdeutschen Zündholzmarktes den Preisfestsetzer spielen. Von den 142 Hölzern, die allmonatlich von jedem Bundesbürger verbraucht werden, entfallen nämlich nur 8 Prozent auf Buchzünder, Überallzünder, Salonhölzer und ähnliche Sondersorten. Genau 92 Prozent aber gehören den Standardmarken „Welthölzer“ und „Haushaltsware“, für die der Bund den Preis festsetzen darf. Sie kosten seit 1956 fünf Pfennig pro Schachtel. Damals wurde nämlich die Zündwarensteuer um 900 Prozent gesenkt. Die Fünfpfennigschachtel kostete damals doppelt so viel.

Für umsichtige Sreichholzproduzenten ist der starre Preis von Haushaltsware und Welthölzern eine Chance für Rationalisierungsgewinne: bei Anschaffung modernster „Komplettmaschinen“ für die Zündholzproduktion lassen sich die Stückkosten verringern, die Spanne zwischen Produktionskosten und Gewinn also vergrößern.