Wirtschaft

Lieber EWG als de Gaulle

Die französischen Präsidentschaftswahlen haben die Pariser Börse bislang kalt gelassen. Lediglich als General de Gaulle Anfang November seinen Entschluß bekanntgab, wieder zu kandidieren, gab es unerwartete Kursverluste.

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DIE ZEIT

Sparen um jeden Preis

In Bonn hält man es offenbar mit dem Grundsatz: Schlecht Ding will Weile haben. Erst nach der Neujahrspause, so hört man, werde das Kabinett den Etat für 1966 beraten, erst im März könne er im Parlament eingebracht werden.

Bellen vor dem falschen Baum

Die Nachkriegszeit sei zu Ende, hat Ludwig Erhard in seiner Regierungserklärung trutzig verkündet. Der Satz wollte schon vor sechs Wochen nicht recht einleuchten, wo doch der flüchtigste Blick in Richtung Zonengrenze einen jeden belehrt, daß die deutsche Teilung, das Hauptmerkmal der Nachkriegszeit, mitnichten überwunden ist.

De Gaulle kämpft

Die letzte Überraschung des Präsidentschaftswahlkampfes: Ein General, der vom Denkmalssockel herabstieg und sich im Fernsehen einem Journalisten stellte, der ihn mit unbequemen – wenn auch bestellten – Fragen attackierte.

Guter Rat wird teurer

Es war der Tenor des Rücktrittschreibens, der noch mehr aufhorchen ließ, als das „echte Bedauern“, mit dem Präsident Johnson die „Abwanderung“ des bisherigen Sonderberaters für Nationale Sicherheitsfragen, McGeorge Bundy, vom Weißen Haus in die Ford-Stiftung quittierte.

Zeitspiegel

„Die Sowjetunion hat wie viele europäische Länder nicht die Absicht, ihre Sicherheit davon abhängig zu machen, ob die Regierung der Bundesrepublik mit den Ergebnissen des Zweiten Weltkrieges zufrieden ist oder nicht.

Später Verzicht

Der CSU-Abgeordnete Zimmermann hat nicht für das Amt des Vizepräsidenten des Bundestages kandidiert – dank eines ziemlich massiven Zuredens seiner CSU-Freunde.

Zwischen Sex und Siebenjahrplan

Ein Hauch von Weltstadt weht unter den Linden, wo Glas-Beton-Bauten wachsen, die jedem Vergleich mit architektonischer Langeweile im Westen standhalten.

Wilsons heikle Mission

London, im Dezember Von den Flutwellen und den Moor-Mördern aus den Schlagzeilen vertrieben, bereitet sich Premierminister Wilson vor, durch seine Reise nach New York und Washington wieder in den Mittelpunkt des britischen Interesses zu rücken.

Breshnew spielt sich nach vorn

Der 70jährige Mikojan, der jetzt sein Amt niedergelegt hat, war der letzte prominente Sowjetführer der alten Garde, er verkörperte die bolschewistische Tradition.

Wer wird CDU-Chef?

Während die Parteispitzen der CDU glanzvolle Abschiedsfeste zu Konrad Adenauers 90. Geburtstag vorbereiten, konzentriert sich ihr wirkliches Interesse immer stärker auf seine Nachfolge.

Albertz: Mehr Mut!

Bürgermeister Heinrich Albertz und DDR-Staatssekretär Dr. Michael Kohl haben – natürlich ohne sich direkt anzusprechen – über die Mauer hinweg eine Art Dialog geführt.

Der Vietnam-Krieg und die Meinungsfreiheit

In der Bundesrepublik und Westberlin beginnt sich so etwas wie eine „Vietnam-Diskussion“ anzubahnen. Nachdem diesem Komplex jahrelang nur drittrangige Aufmerksamkeit gewidmet worden war, hat sich das seit einigen Monaten radikal geändert: Es wird auf den ersten Seiten berichtet, es finden Demonstrationen statt.

Die Erklärung

Bundeskanzler Erhard hat der amerikanischen Regierung wiederholt versichert, das deutsche Volk stehe hinter der Vietnam-Politik der USA.

Südafrika: Westraketen gesucht

Zur gleichen Zeit, als der Sonderausschuß der UN abermals mit großer Mehrheit die Rassentrennungs-Politik der Südafrikanischen Union verurteilte, bemühte sich der südafrikanische Verteidigungsminister Jim Fouché bei den Westmächten um Luftabwehrraketen.

Winterkrieg im Himalaja?

An der indischen Nordostgrenze häufen sich in letzter Zeit Zusammenstöße mit chinesischen Spähtrupps. In dem schwersten Gefecht seit der chinesischen Himalaja-Offensive 1962 wurden am Sonntag nach indischen Angaben 30 chinesische Soldaten getötet.

Namen der Woche

Joseph Mobutu, neuer Präsident des Kongo, versuchte seine Landsleute mit einer symbolischen Geste zu vermehrter Arbeit zu begeistern: Auf einer Massenkundgebung zog er sich die Jacke aus und krempelte die Ärmel hoch.

Irak gab Nasser einen Korb

Im Irak traten am Wochenende drei Minister zurück, weil sie mit der Politik des neuen Regierungschefs, Dr.al-Bazzaz, nicht mehr einverstanden waren.

Rauhe Winde wehen aus Osten

Auf solch „starken Tobak“ reagierte Washington sehr gelassen, Bonn jedoch sehr gereizt. Amerikanische Politiker sahen die sowjetischen Erklärungen vor dem Hintergrund der chinesischen Propaganda, die nicht müde wird, Moskau der Kollaboration mit den USA zu verdächtigen.

Die Briefe der Bischöfe

Gespräch mit Ruhrbischof Hengsbach über die Kontakte zwischen dem polnischen und dem deutschen Episkopat

Die Allianz der Kalten Krieger

Neun Tage brauchte die polnische Partei- und Staatsführung nach der Veröffentlichung des Briefes der 36 polnischen Bischöfe, um abzuwägen, was größer ist: das innenpolitische Risiko einer Stärkung der Kirche und ihres militanten Kardinals – oder der außenpolitische Gewinn eines Gesprächsfadens, den die Regierungen in Bonn und Warschau bislang nicht zu knüpfen vermochten.

„Wir lügen alle“

Der Titel, „Wir lügen alle“, unter dem Margret Boveri ihre Geschichte des zweiten „Berliner Tageblatts“ erzählt, ist viel mehr kennzeichnend als provokant.

Geist und Politik

In dem vorliegenden Band finden wir neben einer einfühlsamen Einleitung von Werner Weber sechzehn Ansprachen von Theodor Heuss über Fragen der Kunst, der Geschichte, der Wissenschaft und der Technik.

Klug, aber zwielichtig

Am 19. Januar 1920 beginnt im alten Schwurgerichtssaal des Berliner Kriminalgerichts in Moabit einer der bedeutsamsten politischen Prozesse der damals noch jungen Weimarer Republik.

Willy Brandt

Das Buch verdient Aufmerksamkeit als das Seibstzeugnis eines Mannes, der die Opposition der Bundesrepublik führt und gleichzeitig die größte und wichtigste deutsche Stadt leitet.

Wider die Schlaumeierei

Als ich vor Jahrzehnten in die Redaktion der „Frankfurter Zeitung“ eintrat, entdeckte ich, daß dort einige Schweizer Journalisten tätig waren, die sich unbefangen zwischen ihren deutschen Kollegen bewegten und über unsere politische Entwicklung sprachen, als seien sie Bürger des Deutschen Reiches.

Funk: Verlaine Twist

Ein Blick hinter die Kulissen des Schlagergeschäftes, das müßte eigentlich ein dankbares Thema für einen Hörspiel-Autor sein.

Theater

Unter den zahlreichen Novitäten, die Hannes Razum im Celler Schloßtheater zutage gefördert hat, bedeutet diese Uraufführung einen Superlativ an Findigkeit.

Film: Am Beispiel von Kolberg

In einunddreißig Kopien läßt der Atlas-Filmverleih zur Zeit Veit Harlans „Kolberg“ auf das Publikum der Bundesrepublik los; allein in Hamburg lief der Film in der vergangenen Woche in zehn Kinos.

Der Dichter ist kein Zuckersack

Wessen Macht ist eigentlich größer: die des ersten Arbeiter- und Bauernstaats auf deutschem Boden, der vom antifaschistischen Schutzwall umgebenen Bastion des Friedens, der Deutschen Demokratischen Republik also – oder etwa die des Bänkelsängers Wolf Biermann? Eine absurde Frage.

Zur Abwechslung ein Genie

Wann hat man das Vergnügen, ein Genie vorzustellen, ich meine nicht nachträglich mitzutönen, wenn die ganze Welt längst begriffen hat, wer Picasso und wer Beckmann ist.

Kunstkalender

„Hannes Postma“ (Hamburg, Kunstverein) Nach vielen Retrospektiven auf bedeutende Lebenswerke riskiert der Hamburger Kunstverein eine Gesamtausstellung eines zweiunddreißigjährigen Malers.

Walter Muschg

Walter Muschg wurde am 21. Mai 1898 in Witikon bei Zürich geboren. Von 1917 bis 1921 studierte er an der Universität Zürich in den Fächern Germanistik, Psychologie und Latein.

Die neue Schallplatte

Johann Sebastian Bach: „Weihnachts-Oratorium“; Janowitz, Ludwig, Wunderlich, Crass, Münchner Badi-Chor und -Orchester, Leitung: Karl Richter; Deutsche Grammophon Gesellschaft Archiv 198 353/55, 75 – DM.

Mikätzchen oder Vollakademiker?

Daß Volksschullehrer wichtige Leute seien, ist nicht unbedingt immer die Meinung der Öffentlichkeit. Im allgemeinen werden diejenigen, die unseren Kindern Lesen, Schreiben und noch ein bißchen mehr beibringen sollen, mitleidig belächelt oder mißtrauisch kontrolliert.

Menschliches

Gewiß: Wer einmal schwer schizophrene Menschen gesehen hat, der weiß, was manche von ihnen leiden. Aber ich fürchte, selbst im Zeitalter der schmerzlosen Geburt, der normierten Busen und der Düsenflugzeuge wird der Mensch einige Leiden ertragen müssen.

Zeitmosaik

In den Jahren 1961 bis 1965 hatte der „Verein Deutsche Schlagerfestspiele“ alljährlich die Schlagerwettbewerbe durchgeführt, Berlin und Baden-Baden hatten die Revuen der Mittelmäßigkeit gesehen.

Zu empfehlen

„Morgen des Abendlandes“ – Von der Antike zum Mittelalter, herausgegeben von David Talbot Rice, deutsch von Liselotte Waterkamp und Roland Machatschke; Verlag Droemer Knaur, München; 360 S.

Die Anläufe eines Heimatlosen

Gewiß, immer schon waren Dichter ohne Heimat unheimliche Dichter. Aber diese hier scheinen mir doppelt unheimlich zu sein: die damals noch Halbwüchsigen, die zwar den für sie bestimmten, den von Deutschen "sinnvoll erdachten Wohnungen des Todes" (Nelly Sachs) entgehen konnten, denen es jedoch nicht mehr gelingen wollte, sich vom deutschen Wort zu befreien.

Alexander, der Humanist

Ein einziger Blick auf die einschlägigen Listen läßt erkennen, daß da mindestens zwei recht verschiedene Arten von Bestsellern zu finden sind, hohe Literatur (geglückte oder nur dem Anspruch nach) und – für das andere ist nur eine gängige, sehr beliebte Vokabel zur Verfügung: triviale.

Im Brennpunkt des Gesprächs:: Das Brett vorm Kopf

Und was geschieht, wenn einer von seinem Gewissen getrieben gegen sich selbst Anzeige erstattet beim Staatsanwalt, wegen Beihilfe zum Mord? Es ist in der Tat unwahrscheinlich, daß ein vernünftiger Mensch, zwanzig Jahre nach Kriegsende, derlei unternimmt – inzwischen hat jedermann gelernt, sich mit seiner Schuld einzurichten, und so bekommt eine solche Handlungsweise einen leichten Zug von Wahnsinn.

Dürer nüchtern

Wie sieht das neue Dürer-Buch aus, das DuMont Schauberg jetzt in seiner „Bibliothek großer Maler“ – nach dem Michelangelo-Band – herausgebracht hat (H.

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