DIE ZEIT

Koalition - wie groß?

Heinrich Lübke ist als Fürsprecher einer Großen Koalition in die politische Arena getreten. Er durfte nicht erwarten, daß er dort ohne Widerspruch bleiben würde.

Gute Nacht, Nachbarn

Was darf die Satire? Alles, sagte Tucholsky im Jahre 1919. Übertreibt die Satire? Tucholsky antwortete: "Die Satire muß übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht.

Kleiner Frieden oder großer Krieg

Das Fazit, das ein hoher amerikanischer Offizier am Jahresende 1965 in Vietnam aufstellte, war lapidar und nicht frei von Sarkasmus: „Wir haben aufgehört zu verlieren.

Sind die Ländergrenzen sinnvoll?

Neben der Oder-Neiße-Linie, der Wiedervereinigungund dem DDR-Status gibt es eine weitere „Deutsche Frage“, die über Nacht aktuell wurde.

Zeitspiegel

Nach einem Jahr ist in der nordvietnamesischen Hauptstadt Hanoi der Name eines verschwundenen Generals wieder aufgetaucht: Nguyen Chi Thanh.

Carl Friedrich von Weizsäcker hat in der ZEIT immer wieder zur Weltpolitik und zur deutschen Frage Stellung genommen. Seine Überlegungen am Jahresbeginn 1966 legt er in einer Folge von drei großen Analysen dar.: Schachpartie der Großmächte

Mögliche Gestalten eines künftigen Weltfriedens auszumalen ist heute nicht mein Ziel, wenngleich auch das hypothetische Durchdenken solcher Möglichkeiten eine sinnvolle Aufgabe einer Wissenschaft von der Weltpolitik wäre.

Fanfanis Rösselsprünge

Ungewißheit kennzeichnet die Lage Italiens nach dem Rücktritt Amintore Fanfanis vom Posten des Außenministers. Das unerwartete Ausscheiden des christlich-demokratischen Politikers droht nicht nur die Regierung Moro, sondern auch die Christlich-Demokratische Partei aus dem mühsam gewahrten Gleichgewicht zu bringen.

Tritt Ulbricht ab?

In Ostberlin mehren sich die Anzeichen, daß der Rücktritt Walter Ulbrichts von Partei- und Staatsspitze bevorsteht. Berliner Ostblockdiplomaten geben dem SED-Chef nur noch bis zum Sommer Zeit, sich seinen Alterssitz einzurichten.

Rätselraten um ein Testament

Wann endlich werden Apels Papiere veröffentlicht? So fragt man immer wieder, diesseits und jenseits der Mauer. Willy Brandt hat das Interesse am politischen Testament des DDR-Planungschefs, der Selbstmord beging, in seiner Pressekonferenz am Jahresende neu angefacht.

Neuer Anfang in Brüssel

Während der Regierungsumbildung, die zur Zeit alle politischen Kreise in Paris beschäftigt, bleibt nur wenig Zeit, nach draußen zu blicken.

Wolfgang Ebert:: Schöne Aussichten

Zum Beispiel freue ich mich auf die wöchentliche Kolumne von Heinrich Lübke in der Zürcher „Weltwoche“, die unter der Rubrik: „Der Bundespräsident meint.

Der gelähmte Riese

New York, der Welt größte, reichste, hektischste, widerspruchsvollste und aufregendste Stadt ist dabei, sich weiteren Ruhm zu verschaffen: die Metropole ist auf bestem Wege, sich selbst zu zerstören.

Die Amtsmeinung Jaegers

Justizminister Jaeger hat mit seiner bisherigen Amtsführung sein Ministerium und die Öffentlichkeit angenehm überrascht. Jaeger, der aus seinen betont konservativen Vorstellungen nie ein Hehl gemacht hat, weiß offensichtlich zwischen seiner persönlichen Meinung und der, die das Amt erfordert, zu unterscheiden.

Lückes Parforce-Tour

Als Paul Lücke vom Bundesministerium für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung in das Innenministerium überwechselte, nahm er seinen Staatssekretär, seinen Pressereferenten und seine Abteilung III (Städtebau und Raumordnung) mit.

Abends das Lied aus der Heimat

Im Kölner Fernsehstudio C ist ein ritterlicher Wettstreit entbrannt: Junge Journalisten aus Italien, Spanien, Griechenland und der Türkei testen dort Anmut und Liebenswürdigkeit von Ansagerinnen, die den Gastarbeitern Nordrhein-Westfalens jetzt ein bißchen Heimat auf den Fernsehschirm zaubern sollen.

Rebellion um zwei Groschen

Was zunächst wie eine billige Komödie aussah, entpuppte sich als eine konkrete Gefahr für die Einheit der 270 000 Jungakademiker in der Bundesrepublik.

Angst vor Gisela May?

Auf roten Plakaten wurde Mitte Dezember den Berlinern ein west-östliches Silvesterkabarett angekündigt. Die Interpreten Gisela May, Käthe Reichel und Rolf Ludwig aus Mitteldeutschland würden – so hieß es – zusammen mit ihren westdeutschen Kollegen Wolfgang Neuss, Hans Ernst Jäger, Helen Vita und Hanne Wieder die „dreckigen zwanziger Jahre“ besingen und bespötteln.

Kambodscha:: Ein neuer Krieg?

Neben den Kriegsschauplätzen in Vietnam und in Laos scheint sich jetzt auch im indochinesischen Königreiche Kambodscha ein Kriegstheater aufzutun.

Von ZEIT zu ZEIT

In der usbekischen Stadt Toschkentbegannunter gedämpften Erwartungen das Vom Kreml arrangierte indischpakistanische Gipfelgespräch über den Kaschmir-Konflikt.

Treffen in Taschkent

Was die UN und das Commonwealth nicht schafften, erreichte am Dienstag Sowjet-Ministerpräsident Kossygin: Er führte den pakistanischen Staatspräsidenten Ajub Khan und den indischen Ministerpräsidenten Lal Bahadur Shastri in Taschkent zu einem Versöhnungsgespräch zusammen.

Vierzehn und vier

Keinen Zweifel lassen die USA daran, daß sie die Unabhängigkeit und territoriale Integrität ihres südvietnamesischen Verbündeten schützen wollen und sich von freien Wahlen in Südvietnam ein nichtkommunistisches Regime erhoffen.

Namen der Woche

Amintore Fanfani, Präsident der UN-Vollversammlung, ist als italienischer Außenminister zurückgetreten, nachdem Nordvietnam eine von ihm unterstützte Friedensvermittlung seines Freundes La Pira geleugnet hatte.

Erhard – Kanzler auf Zeit?

Konrad Adenauer war nach der Regierungsumbildung im Herbst 1962 nur noch ein „Kanzler auf Zeit“. Dieser Umstand wirkte sich für die Innen- und Außenpolitik nachteilig aus.

Peking verlor drei Freunde

Militärputsche nach lateinamerikanischem Muster scheinen neuerdings auch in Afrika Schule zu machen, In drei Nachfolgestaaten des ehemals französischen Kolonialreiches haben seit Weihnachten Obersten und Generale die Macht an sich gerissen.

Iran kontra Irak

Der Kurdenkrieg hat am Persischen Golf gefährliche Spannungen heraufbeschworen. Bei Einsätzen gegen die kurdischen Rebellen in den verschneiten Bergen nahe der persischen Grenze hatten irakische Flugzeuge am Jahresende mehrmals persische Dörfer bombardiert.

Rückzugsgefechte der Gestrigen

Kehrt Stalin nach Pankow zurück? Nach allem, was sich in den letzten Wochen in der DDR ereignet hat, besteht Anlaß genug, eine solche Frage zu stellen.

Nr. 2 vom 12. Januar 1956: In Moskau

Noch vor einem Jahr wäre es auch einem Intellektuellen, etwa einem Moskauer Literaturkritiker, unmöglich gewesen, ganz offen die Schuld an den Mängeln der russischen Literatur Stalin zuzuschreiben.

Die Augenbinde

Der Korrektor unterbrach das Spiel. Er schob die Karten zusammen, warf sie auf den Fenstertisch und wischte sich langsam über die Augen, hob dann sein Gesicht und blickte durch das Abteilfenster in die, Dunkelheit draußen.

Zeitmosaik

Den seit fünfzehn Jahren drastischsten Sturz des deutschen Optimismus verzeichnete das Allensbacher Institut für Demoskopie, als es auch in diesem Jahr – wie seit 1949 jedes Jahr – den berühmt-berüchtigten repräsentativen Querschnitt der deutschen Bevölkerung fragte: „Sehen Sie dem neuen Jahr mit Hoffnungen oder Befürchtungen entgegen?“ „Mit Hoffnungen“ antworteten 49 Prozent der Befragten (1964: 65 Prozent), „mit Befürchtungen“ 18 Prozent (1964: 10 Prozent), „mit Skepsis“ 19 Prozent (1964: 13 Prozent); weder Hoffnungen noch Befürchtungen noch Skepsis hegten 14 Prozent.

Künstler haben hier nichts zu melden

Berlin geht um eine hochambitiöse und widerspruchsvolle Kulturinstitution reicher ins neue Jahr. Was andere deutsche Städte wie Oldenburg oder Braunschweig oder Heidelberg oder Düsseldorf oder Hamburg seit eh und je, mitunter seit mehr als hundert Jahren, besitzen, hat sich nun auch in Berlin etabliert: ein Kunstverein.

Dr. Hans Harder Biermann-Ratjen, Hamburg

Liebe Dame“, sagte der Senator, „ich bin nur ein halber Kultusminister, kein ganzer.“ Diese Vorbemerkung liegt dem Präses der Hamburger Kulturbehörde, Senator Dr.

Die neue Schallplatte

Mit sechsundzwanzig schrieb Tschaikowskij seine erste Sinfonie, „Winterträume“, mit dreiundfünfzig, im Todesjahr, seine sechste, die Pathétique“.

Neumanns Wiener Kinder

Auf den Artikel „Der gute Glaube Robert Neumanns“ (ZEIT Nr. 53/65) bekamen wir eine Post Card („the address to he written on this side“), auf der Hugo M.

Ich bin kein Spucknapf

Gut ist der Ruf, dessen sich der Schriftsteller Martin Kessel in literarischen Kreisen erfreut: Er wird von einigen Kritikern seit Jahren nicht ohne Ausdauer gelobt und gerühmt, manche Nachschlagewerke widmen ihm nahezu hymnische Artikel, er ist Mitglied aller wichtigeren deutschen Akademien, ihm wurden die angesehensten Literaturpreise verliehen, unter anderem der Georg-Büchner-Preis von 1954.

Unser Seller-Teller Dezember 1965

Obwohl mehr Leute, als man glaubt, Verse eigener Produktion in ihren Schubfächern verwahren mögen. ein Volk der Dichter waren und sind wir sicher nicht Sicher aber sind wir: ein Volk der Schaffer.

Zweimal das zweigeteilte Berlin

Ist es mehr als Zufall, daß zwei der stärksten Bucherfolge des letzten Herbstes das zweigeteilte Berlin zum Vorwurf haben? „Zwei Ansichten“ der zweigeteilten Stadt gab Uwe Johnsons neuer Roman.

Großer Aufwand für Kärgliches

Seine „bisher wohl außergewöhnlichste literarische Entdeckung“ meint der Diogenes Verlag im letzten Jahr gemacht zu haben. Was er unter solchem Superlativ einem gewiß überraschten Lesepublikum präsentiert, ist das schmale, zum überwiegenden Teil schon recht betagte Lebenswerk eines 1957 verstorbenen Arztes, der – auch das steht im Klappentext – „die deutsche Literatur .

Zu empfehlen

Georg Braun/Franz Hogenberg: „Beschreibung und Contrafactur der vornembster Stät der Welt“, Band I (1574), eingeleitet und kommentiert von Max Schefold; Verlag Müller und Schindler, Plochingen; Kommentarheft (40 S.

Bethmann ließ sich nicht drängen

Hartmut Pogge-v. Strandmann und Imanuel Geiss: Die Erforderlichkeit des Unmöglichen, Deutschland am Vorabend des ersten Weltkrieges, in „Hamburger Studien zur neueren Geschichte“; herausgegeben von Fritz Fischer, Bd.

Kalender ohne Hoffnung

Wer die satirischen Bilder Webers ansieht, darf alle Hoffnung fahren lassen. Die Menschen sind dumm und gemein, die Welt ist lebensgefährlich, der Fortschritt führt direkt zur Katastrophe.

Presse

Man sollte meinen, über so etwas Langweiliges wie die kommunistische Presse lasse sich kein vernünftiges Buch schreiben. Buzek überzeugt einen auf angenehmste Weise vom Gegenteil.

Rom und Moskau

Renate Riemeck: Moskau und der Vatikan. I.: Der kirchliche West-Ost-Gegensatz und das alte Rußland; 128 Seiten, 8,80 DM. II.

Hofstätter, nicht Hochstetter

Der Rezensent des Buches „Was die Deutschen fürchten“ von Arnim Mohler (in unserer Ausgabe vom 17. Dezember) ist einer Namensverwechslung zum Opfer gefallen.

Funk: Zwei Neujahrsansprachen

Es wäre unbillig, wollte man den Bundeslandwirtschaftsminister Hermann Höcherl tadeln oder gar verspotten, weil er es für richtig und wichtig hielt, seine Gedanken zur Jahreswende den sicherlich aufmerksam lauschenden Rundfunkhörern mitzuteilen.

+ Weitere Artikel anzeigen