Terence Prittie: Deutsche gegen Hitler. Verlag Rainer Wunderlich, Hermann Leins, Tübingen. Aus dem Englischen von Werner Hof er. 324 Seiten, 19 80 DM.

iele Deutsche scheinen noch heute weder sehr viel von der Opposition (gegen Hitler) zu wissen noch ihren Mitgliedern gegenüber die gebührende Dankbarkeit zu hegen".

Dies ist einer der letzten Sätze, mit denen Terence Prittie, viele Jahre lang DeutschlandKorrespondent des "Guardian", sein Buch über den deutschen Widerstand gegen Hitler beschließt.

Pritties Buch ist weder eine Hymne auf die "Helden", die gegen Hitler kämpften, noch eine "Abrechnung" mit ihren Fehlern. Der Verfasser gibt vielmehr auf dreihundert Seiten einen Überblick über sämtliche Widerstandsgruppen und Widerstandsbewegungen, die es unternahmen, den Nationalsozialismus zu bekämpfen, vom Leipziger Oberbürgermeister Goerdeler und seinen Freunden bis zu dem Münchener Studentenkreis der "Weißen Rose", vom "roten General" Kurt von Hammerstein bis zu Stauffenberg und Bede, Aber das Buch ist keine Aufzählung der Attentatspläne und Putschversuche gegen den Nationalsozialismus. Sondern sein Verfasser erweist sich als hervorragender Journalist, der in der Lage ist, seine Leser auch mit Berichten über spröde oder bereits bekannte Stoffe zu fesseln. Prittie schildert und erzählt, ohne sich dabei jemals in der Kolportage zu verlieren. Im Gegenteil, der englisch unterkühlte, distanzierte Stil des Verfassers macht dem Leser immer wieder deutlich, daß in dem Buch keine Wunschvorstellungen verbreitet, sondern Tatsachen berichtet werden. Es ist dabei verblüffend festzustellen, wie wenig auch die Deutschen, die die Zeit des Nationalsozialismus bewußt und zugleich mit innerem politischen Abstand erlebt haben, heute vom deutschen Widerstand gegen die Nationalsozialisten wissen. Immer wieder fesselt der Verfasser den Leser oft durch nur kurze Schilderungen wie etwa den Bericht über das Ende Ossietzkys oder die ausführliche Darstellung der Tätigkeit der "Roten Kapelle" oder selbst durch das Kapitel über ein so bekannt gewordenes Unternehmen wie die Verschwörung der Geschwister Scholl. Der Grund für die Faszination dieses überhaupt nicht aufregend geschriebenen Buches liegt m zwei Umständen: Einmal gehört der Verfasser zu den besten Kennern Deutschlands und der Deutschen und ist daher in der Lage, die Akteure, die Widerständler oft mit ganz wenigen knappen Worten so zu charakterisieren, daß der Leser sie vor sich sieht. So schildert er Schulze Boysen, den Führer der "Roten Kapelle", als einen "jungen Mann, dessen angeberisches Auftreten den Eindruck erwekken konnte, daß an ihm ein HJler verlorengegangen sei, der aber in Wirklichkeit von hohem Mut und tiefem Glauben an die kommunistische Idee beseelt war". Graf Helmut von Moltke, der Gründer des "Kreisauer Kreises", der geistig politisch entscheidend an der Widerstandsbewegung beteiligt war, war nach seiner Darstellung ein "Realist mit trockenem Humor, der die einfachen Freuden des Daseins liebte, andererseits aber wie ein Puritaner viele von den guten Dingen des Lebens verschmähte". Von Professor Huber, dem Mitverschwörer der Geschwister Scholl, sagt Prittie: "Was er beizutragen hatte, war viel: Die Weisheit eines nicht mehr ganz jungen Kopfes, Klarheit von Gedanken und Diktion, Reife des Geistes Hier fehlt die Verzeichnung, die in so vielen romantisierenden Berichten zu finden ist.

Der zweite noch gewichtigere Umstand ist der thematische Umfang des Buches. Terence Prittie beschränkt sich nicht wie die Verfasser der meisten anderen Veröffentlichungen zu diesem Thema auf die Schilderung einer Widerstandsgruppe oder einer Richtung oder auf die Beschreibung eines Unternehmens. Sondern er berichtet über alle von den Angehörigen der beiden christlichen Kirchen bis zu den Studenten, von den deutschen Kommunisten bis zu den Militärs. Und er kritisiert sie zwar wegen der Fehlschläge, die sie