Beifall für japanische Künstler in Europa

Der Maler Tatsue Toki

Von Adolf Metzner

In dem hervorragenden deutschen Film „Nishshin Geppo“, der die japanische Leibeskultur zu deuten versuchte, erschien auch ein hagerer, älterer Sportlehrer aus Nagoya, der dort an der Universität unterrichtet. Man sah ihn aber nicht nur auf dem Sportplatz, sondern auch in einer Töpferei, wo er sportliche Szenen mit raschem Pinsel auf die Tongefäße warf, bevor sie noch einmal in den Brennofen geschoben wurden. War Tatsue Toki ein später Nachfahre der attischen Vasenmaler, die einst in Athen die panathenäischen Preisamphoren zu Kunstwerken erhoben, die uns heute noch in den Museen entzücken?

Aber ist das wirklich große Kunst, was der malende Zehnkämpfer Toki hervorbringt, oder nur un art décoratif, eine geschickte Manier, die ihr Publikum findet und nur die Sportler in ihren Bann zieht? Toki selbst gesteht, daß seine Sportbilder aus jenen schnell hingekritzelten schematischen Figuren entstanden, mit denen früher, ehe der Film zum überlegenen Lehrmaterial wurde, die Sportlehrer ihren Schülern den richtigen Bewegungsablauf auf dem Papier oder der Tafel demonstrierten.

Der Japaner vertauschte den Stift mit dem Tuschepinsel und benutzte die alte Technik der Kalligraphen. Aus dieser Spannung von erfaßtem Bewegungsmoment und kalligraphischer Malweise leben die Skizzen Tokis. Aber zerbrechen sie nicht auch an diesem Widerspruch, der unüberbrückbar zu sein scheint?

Die Kalligraphie, das schöne Schreiben mit dem Tuschepinsel, in Ostasien von jeher als eine der höchsten Kunstformen geschätzt, ist im letzten doch abstrakte Malerei, wenn man nicht soweit gehen will, die Schriftzeichen als Gegenstände zu betrachten. Gerade die Kalligraphie verschließt sich dem Europäer, der sich bemüht, ins Wesen der chinesisch-japanischen Malerei einzudringen, am längsten.