Eine Gruppe von Journalisten, die sich gern „die alte Panorama-Mannschaft“ nennt, hat eine Zeitschrift gestartet: „deutsches panorama.“ Laut Angabe des Chefredakteurs ist das neue Monatsheft in einer Auflage von zweihunderttausend Exemplaren an die Kioske verteilt worden. Chefredakteur ist Gert v. Paczensky. Für ihn steht das „P“ im Firmennamen: „Kommanditgesellschaft P & E Information.“ Das „E“ deutet auf Bernt Engelmann hin, der als Reporter Glück und als Buchautor („Meine Freunde die Millionäre“) Erfolg hatte. Ein dritter Mann, wohl der wichtigste Geldgeber, bleibt ungenannt.

Eines der wenigen Kontorhäuser, die in dieser Gegend Hamburgs, am Rödingsmarkt, vom Bombenkrieg halbwegs verschont wurden, ein Ein-Mann-Paternoster, vierter Stock, im Vorraum macht ein Fernschreiber der Pressenachrichtenagentur UPI Redaktionslärm – hier arbeitet die „panorama“-Redaktion, ein Dutzend Leute etwa. Und wer als Journalist sich mittlerweile an die Teakholz-Teppich-Neon-Atmosphäre moderner Büros gewöhnt hat, sieht’s nicht ohne eine Art wehmütigen Erinnerns: Hier herrscht wieder „Pionier“-Zustand; genauso sahen die Redaktionsstuben der späten vierziger Jahre aus. Nur die Whisky-Cognac-Wodka-Batterie ist reichhaltiger; und ein Fernsehgerät hat’s damals nicht gegeben...

Gert v. Paczensky, Rüdiger Proske, Bernt Engelmann, Hans Fleig, Jürgen Sandmann, Gösta v. Uexküll, Eugen Kogon – die meisten Redakteure und Autoren von „panorama“ haben in der Fernsehsendung dieses Titels jene „Publicity“ gewonnen, die jetzt ihrer Zeitschrift den Erfolg garantieren soll. Freilich, „die alte Panorama-Mannschaft“ darf nicht als „alte Panorama Mannschaft“ auftreten, jedenfalls nicht, bis das fünfte Heft erschienen ist. Solange bleibt, nach einer Vereinbarung mit dem Panorama-Sender NDR, dieser Begriff als Werbemittel untersagt. Auch keinerlei fernseh-gewohnte Graphik darf das Heft zieren.

Über seinen Schreibtisch hinweg kann Paczensky die Überseebrücke im Hamburger Hafen sehen, das Werftgelände, die Hochbahn-Brücke am Baumwall, das vielleicht schönste Panorama überhaupt, das Hamburg zu bieten hat. Ob er diesen Ausblick ein Jahr oder länger genießen kann – darüber werden unter Journalisten wie unter Verlagskaufleuten Wetten abgeschlossen. Spätestens in einem Jahr wird feststehen, ob auch der ich-weiß-nicht-wievielte Versuch, mit einer Zeitschrift im Kielwasser des „Spiegel“ zu navigieren, mißlungen ist.

Gert v. Paczensky meint: Mit „panorama“ sollen die politisch interessierten jungen Menschen, etwa ab siebzehn Jahren, angesprochen werden, dazu die politisch interessierten Frauen und – drittens und vor allem – die „Spiegel“-Leser. Er empfindet sein Blatt keineswegs als irgendein Konkurrenzunternehmen zum „Spiegel“. Er sagt: „Ich betrachte mich als Ergänzung.“ Und nach einigem Hin und Her hat denn auch der „Spiegel“ eine Anzeige von „panorama“ aufgenommen. Schon die monatliche Erscheinungsweise schließe jegliches Konkurrenzgebaren aus.

„Ein Monatsblatt“, sagt Paczensky, „ist das Maximum dessen, was wir uns finanziell leisten können, finanziell und personell.“ Die verlegerische Organisation wirkt auf den ersten Blick verzwickt und scheint nicht frei von Aushilfen zu sein. Verteilt wird „panorama“ in der Bundesrepublik über das Vertriebsnetz von „konkret“. Die Redaktion sitzt in Hamburg, wo die Zeitschrift an verschiedenen Stellen auch zum Offsetdruck („Kupfertiefdruck wäre viel zu teuer“) reif gemacht wird. Gedruckt wird in Köln-Deutz, in einem Hause, in dem die Gewerkschaften ein Wort mitzureden haben.

„Ich wollte es nie allein machen“, sagt Gert v. Paczensky; seine Zeitschrift sei „einem großen Verlag auf den Leib geschrieben“. Aber die großen Verlage, bei denen er vorsprach zeigten sich „zu hundert Prozent skeptisch“, und nur ein einziger Verleger, einer der erfolgreichsten übrigens, begnügte sich mit „neunzig Prozent Skepsis“.