DIE ZEIT

Europas vorgeschobene Bastion

In Spanien kann es geschehen, daß der Reisende in irgendeine Provinzstadt kommt, deren Namen er noch nie gehört hat, auf eine frühmittelalterliche Kirche trifft – und im Innern der Kirche sieht er an Pfeilern oder am Altar frühromanische Plastik, wie er sie nirgends in Europa eindrucksvoller finden kann.

Lästige Stützpunkte

Das Weißbuch, das die künftige britische Militärpolitik festlegen wird, soll Ende dieses Monats erscheinen. Es ist seit langem der Gegenstand von widersprüchlichen Spekulationen.

ZEITSPIEGEL

„Früher waren wir in Berlin wie die Gänse auf dem Capitol, die schnatterten, sobald eine Gefahr sich abzeichnete; heute sind wir wie ein dickes Schwein auf der Grünen Woche, das zufrieden vor sich hingrunzt und sich für das Schaufenster der Welt hält.

Wieviel Freiheit in Berlin?

Gelassen und ohne Gereiztheit haben die Amerikaner reagiert, als ihnen ein paar törichte Burschen (darunter wohl auch, wie behauptet wird, SED-Provokateure) faule Eier vor die Füße warfen und am Sternenbanner vor dem Amerika-Haus herumhantierten, bis es auf halbmast sank.

Romeo und Julia in Tübingen

Mit akademischer Gründlichkeit ging man, dem genius loci entsprechend, im Tübinger Landestheater daran, die westdeutsche Uraufführung der Romeo-und-Julia-Übersetzung von Rudolf Schaller vorzubereiten.

Katastrophen

Die Flugzeugkatastrophe in der Bucht von Tokio am Freitag, bei der 133 Japaner ums Leben kamen, ist das zweitschwerste Unglück in der Geschichte der Luftfahrt.

Und der Sachverstand?

Die deutschen Arbeitgeber wollen ein Exempel statuieren und notfalls sogar einen Streik in der Metallindustrie in Kauf nehmen, um ihrem lohnpolitischen Glaubensbekenntnis Respekt zu verschaffen: daß die Löhne nicht stärker steigen dürfen als die Produktivität.

Drei Millionen jeden Tag

Auch wenn sie zu Beginn nicht voll ausnutzbar ist, legen wir doch bei Errichtung neuer Anlagen gleich die Maßstäbe optimaler Größe an“, umriß das BASF-Vorstandsmitglied Dr.

Peking: Die Sowjets sind Feiglinge

In der Sowjetunion soll seit zwei Wochen unter Parteifunktionären ein vertraulicher Brief der Parteiführung kursieren, der einen ganzen Katalog von Vorwürfen gegen die chinesischen Kommunisten enthält.

Die SED gibt sich gesamtdeutsch

Eine neue Runde im gesamtdeutschen Schattenboxen hat begonnen. Ostberlin ist in die Offensive gegangen. Die außenpolitischen „Initiativen“ der deutschen Kommunisten seit Jahresbeginn sind kaum noch zu zählen.

Namen der Woche

Harold Wilson sagte den britischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern harte Worte. Die Industriellen wurden aufgefordert, sie sollten endlich ihre Fabriken auf einen Stand bringen, der den Ansprüchen der sechziger und siebziger Jahre entspreche.

Den Universitäten helfen!

Einhundertundsechzehn der wichtigsten Projekte zum Ausbau der bestehenden deutschen Hochschulen sind – das mußte der Wissenschaftsrat empfehlen – aufzugeben oder zu verschieben, falls der Appell der Westdeutschen Rektorenkonferenz an die Fraktionen des Bundestages keinen Erfolg hat.

Sexualität, Sitte und ein neues Recht

Hier scheiden sich die Geister: Wo die Problemkreise der Sexualität und des Strafrechts einander überdecken, genau hier wird die Diskussion über die Große Strafrechtsreform besonders heftig: Hier vor allem wird Weltanschauung impliziert.

Stellvertreter des großen Bruders

Zwanzig Jahre nach der Stunde Null geht ein Ruf durchs Land; Studenten haben ihn erhoben, junge Studenten und wohl auch ein paar ältere – wenige ältere freilich –, denn es gehört nicht zum Wesen der gerade Arrivierten, nach der Vergangenheit zu fragen, wenigstens nicht nach der jüngsten.

Gleiche Brüder...

Ohne Zögern hat sich damit das größte Land der Bundesrepublik über die Wünsche und Ziele der Bundesregierung hinweggesetzt. Bundesfinanzminister Dahlgrün der es sich als Verdienst anrechnet, das Verhältnis zwischen dem Bund und den Ländern auf eine bessere Basis als in früheren Jahren gestellt zu haben, wird zweifellos enttäuscht sein.

Strafe für Hilfe

Ein Westberliner Schöffengericht verurteilte die drei Fluchthelfer Schütz, Bley und Schramm, die amerikanische Uniformen und von US-Wagen entwendete Nummernschilder als Hilfsmittel benutzt hatten, zu Gefängnis.

Von ZEIT zu ZEIT

Vorsatzes zu einer „praktischen politischen Zusammenarbeit“ zwischen der Bundesrepublik und Frankreich. Der französische Außenminister Maurice Couve de Murville und sein Bonner Kollege Gerhard Schroeder besuchten während der Unterredung ihrer Chefs das Pariser Museum für moderne Kunst.

Kunstkalender

Die Gruppe Zero ist eine sichere Sache und international erprobt. Als Teamwork war in Paris die Zéro-Lichtmühle ausgestellt, ein auch schon in Amerika bewährtes Schulbeispiel und Renommierstück kinetischer Kunst (in Recklinghausen sieht man nur die Photographie, das Original wird andernorts benötigt).

Korrekturen am Spanien-Klischee

Es wäre falsch zu sagen, daß der spanische Staat arbeiterfeindlich ist. Er ist der politischen Macht der Arbeiter feindlich; das ist etwas anderes.

J. M-M: Marlene, ach Marlene ...

Ehrlich jestann, bin ick imma ’n Anhänger von Marlenecken jewesen – nich an ihre Bluse, bloß seelisch. Marlene, die is schon damals „ssexi“ jewesen, wie die heutigen Ssexijöhrn noch als Keese vorm Fensta standen.

Die Kunst, sich Feinde zu schaffen

Sechzehn Jahre, nachdem die Kommunisten in China die Macht erobert haben, lassen sich die Nationen, die als zuverlässige Freunde Pekings gelten können, an den Fingern einer Hand aufzählen.

Eierwerfer – Fluchthelfer

Demokratische Freiheit paßt den Ostberliner Propagandisten gut ins Konzept, solange sie nur westlich der Sektorengrenze praktiziert wird.

Brüssel geht an die Arbeit

Das Damoklesschwert, das seit Monaten über der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft schwebte, braucht niemanden mehr zu schrecken.

Wenn die Fabrik zum Kolosseum wird

Als Kind durfte ich zu Weihnachten in den Zirkus gehen. Dort hatten es mir stets die Illusionisten besonders angetan, jene exquisiten Zauberer, die mittels unwahrscheinlicher Tricks unglaubliche Wunder heraufbeschwören konnten.

Tratschke fragt:: Wer war’s?

Seine Tagebücher sind noch erhalten: auffallend kleine, in graues Leinen gebundene linierte Hefte. In seiner ruhigen, zarten Schrift hat der Mann, der eine der größten Umwälzungen in der Geschichte Europas unmittelbar miterlebt hat, sorgfältig seine Eintragungen gemacht.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Gewöhnlich werden diese Streichtrios als „Frühwerke“ bezeichnet, eine viel zu allgemeine, unglücklicherweise meist auch wertende Rubrizierung.

ZEITRAFFER

Die Umorganisierung im Bundeswirfschaffsminisferium, durch die alle Referate und Abteilungen, die für die EWG-Politik bedeutsam sind, unter Staatssekretär Dr.

ZEITMOSAIK

Der Weg des satirischen Schriftstellers ist mit Hühneraugen gepflastert. Im Handumdrehen schreien ganze Berufsverbände, Generationen, Geschlechter, Gehaltsklassen, Ministerien, Landsmannschaften, Gesellschaftsschichten, Parteien und Haarfarben auf.

Flugsicherheit

Man ist fassungslos: Fluggesellschaften, die sich der Sicherheit des Luftwegs so lautstark rühmen, lassen es zu, daß ihre Maschinen auf Flugplätzen landen, die mit keinerlei Radaranlagen ausgestattet sind.

Vorsicht kostet Geld

Die Vereinsbank in Hamburg hat wieder einmal den Reigen der Bankbilanzen eröffnet. Was sie für 1965 zu bieten hat, wird wahrscheinlich manchen Aktionär auf den ersten Blick enttäuschen, denn – wie sich unschwer an der Steuerposition ablesen läßt – hat das Institut für 1965 einen geringeren Gewinn versteuert als für 1964.

Warnung vor SAVAK!

Die rund 7000 persischen Studenten in der Bundesrepublik atmen auf: Endlich soll die Tätigkeit ausländischer Nachrichtendienste in der Bundesrepublik untersucht werden.

Zauberformeln genügen nicht

In der westdeutschen Bildungspolitik gibt es, wie in der Kunst und Literatur, so etwas wie eine Avantgarde: ein Fähnlein von noch nicht einmal sieben Aufrechten, die das kulturpolitische Tauwetter ausgelöst haben und mithelfen, es in Gang zu halten.

Die teuflischen Promille

Karneval ist die rechte Zeit, es wieder einmal zu sagen: Bis jetzt gelten immer noch 1,5 Promille Alkoholkonzentration im Blut (BAK) für Autofahrer und 1,3 Promille für Motorradfahrer als absolutes BAK-Limit vor deutschen Gerichten, obwohl diese Grenze nicht nur von den Medizinern, sondern auch von anderen berufenen und unberufenen Instanzen heftig berannt wird.

Wunderwaffen – und keine Wunder

Die Heimat war zur „Heimatfront“ geworden. Seit dem ersten Tausend-Bomber-Angriff (auf Köln, in der Nacht zum 31. Mai 1942) war ein Jahr vergangen; und nichts deutete darauf hin, daß Kammhubers Nachtjäger den Riegel vor den Einflugschneisen angelsächsischer Viermotoriger wieder schließen könnten.

Noch klein unter Riesen

In diesen Tagen hat das Haus Siemens einen Plan verwirklicht, der schon seit rund dreißig Jahren in den Schubladen schlummerte.

Befreit

Rund 100 000 Angestellte haben bis zum Jahresende von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, sich von der Rentenversicherung zu befreien.

VERKEHRSSPIEGEL

Der Fortschritt bringt nicht nur Freuden, sondern auch Leiden, zum Beispiel den Gestank der Verbrennungsmotoren. Nun ist von der Entgiftung der Luft ja schon lange die Rede, was seinerseits schon wieder ein Fortschritt ist.

Die Notwehr der Europäer

Der halbe Vorstand fehlte. Dr. Gustav Schaum, Vorstandsvorsitzender der Agfa-Gevaert AG, entschuldigte die Herren: „Unsere belgischen Kollegen halten gleichzeitig in Mortsel eine Pressekonferenz der Gevaert-Agfa N.

Gespräche am Bankschalter: Alles setzt auf die Chemie

Für die deutschen Investment-Gesellschaften war das Jahr 1965 kein leichtes Brot, Mit dem fortschreitenden Kursverfall auf den deutschen Aktien- und Rentenmärkten mußten zwangsläufig auch die Ausgabenpreise ihrer Zertifikate zusammenfallen.

Kritik am Leben in Blech

Vor wenigen Jahren kannte ihn noch kein Mensch. Aber da malte er auch nicht. Heute werden für ein Bild mit dem fein säuberlichen Signum „H.

Ermächtigung

Gebt mir fünf Jahre Zeit – so etwa verkündet es der Minister –, und ich werde euch eine Bundesbahn ohne Defizit vorstellen. Was seit Jahren verschlampt worden ist, soll nun von der Bundesregierung in Angriff genommen werden.

Protest mit Eiern

Am vergangenen Wochenende drohte der vietnamesische Krieg auf den britischen Sektor Berlins überzugreifen. Sechs rohe Eier zerplatzten an der Fassade des Amerikahauses am Bahnhof Zoo, und für zwei Minuten stand das Sternenbanner auf Halbmast.

Ulbrichts Attraktion

Westberlin wünscht sich seit sieben Jahren ein solches Symbol. Nun wird ein Turm gebaut, aber in Ostberlin für das DDR-Fernsehen.

Nachruf auf eine Epoche

Es ist eine Stimme aus dem Ersten Weltkrieg, die sich mit diesen warnenden Worten gegen eine heute nicht mehr vorstellbare, aber wiederholbare Kampfbegeisterung erhob, die Stimme der sprachgewaltigsten Leidenschaft, die jemals dem Kriegsverhängnis ihr Wort entgegenzustemmen versuchte, wohl wissend, daß es in den Wind gesprochen war; dennoch unverzagt, unerlahmt in Klage und Anklage, vier Jahre lang, um aus dem Zerfall einer todgeweihten Welt wenigstens das unvergeßliche Abbild ihrer Heimsuchung zu bergen – auch dies vergeblich als moralisches Memento, aber fortwirkend als Wortschöpfung.

Geheimwaffe gegen den Vietcong

Am gleichen Tage, da Präsident Johnson auf Hawaii den Führern Südvietnams einen großartigen Empfang bereitete, war in der „Yale Daily News“ eine phantastische Geschichte zu lesen: Hinter dem Rücken der US-Botschaft in Saigon inszeniere der CIA „die größte Operation der Geschichte“, um mit den Kommunisten Frieden zu schließen.

+ Weitere Artikel anzeigen