Präsident de Gaulle ist in Rage. Er fühlt sich in der Ben-Barka-Affäre von seinen engsten Mitarbeitern hintergangen. Das jedoch wirft die Frage auf, ob nicht der Argoud-Skandal noch einmal aufs Tapet gebracht werden sollte.

Die gleichen „parallelpolizeilichen“ Organisationen, die an Ben Barkas Entführung beteiligt waren, hatten 1963 ja auch die Entführung des OAS-Obersten Antoine Argoud aus München bewerkstelligt – unter Verletzung deutscher Gesetze und deutscher Hoheitsrechte. De Gaulle versicherte der Bundesregierung damals, an der Entführung seien keine französischen Stellen beteiligt gewesen. Zweifel an der Richtigkeit dieser Erklärung waren im Mai 1965 schon im außenpolitischen Ausschuß des Bundestages aufgekommen. Aber de Gaulles Wort setzte allen Bemühungen der Bundesregierung um Aufklärung ein Ende.

Jetzt scheint es angebracht, die Sache noch einmal aufzugreifen. De Gaulle ist in der Affäre Ben Barka von seinen Untergebenen hinters Licht geführt worden. Ist es nicht möglich, ja wahrscheinlich, daß ihm ganz ähnlich schon in der Affäre Argoud mitgespielt wurde? Die Bundesregierung sollte ihm die Frage offen vorlegen, Frankreichs Staatspräsident hat Format genug, mit dem Eingeständnis eines Skandals zugleich die Korrektur eines anderen zu verbinden. Und schließlich geht es um seine Glaubwürdigkeit.

Th. U.