Wenn es in Deutschland einen Brauerei-Chef gibt, der in zahlreiche, zum Teil verschiedenartige Bereiche hineinwirkt, so ist es der agile Henninger-Chef, Generalkonsul Bruno Schubert, der so gar nicht dem landläufigen Bild eines Bier-Gewaltigen gleicht. Immer wieder ergreift er die Initiative, sprudelt über von neuen Ideen. Nicht immer sind sie erfolgreich. Dennoch, unter Bruno Schubert entwickelte sich die Henninger-Bräu KGaA, Frankfurt, zur drittgrößten Braustätte Deutschlands überhaupt.

Auch im vergangenen Jahr, als der kühle Sommer die Bierhähne nur recht dürftig fließen ließ, konnte diese rührige Brauerei ihren Ausstoß noch um etwa 9 Prozent auf gut 1,25 Millionen Hektoliter erhöhen. Damit wurde nicht ganz das Planziel für das am 31. August zu Ende gegangene Geschäftsjahr von 1,3 Millionen Hektoliter erreicht. Aber im Bundesdurchschnitt, der nur eine knappe Erhöhung des Bierausstoßes um 1,2 Prozent auf 73,2 Millionen Hektoliter registrierte, brillierte Henninger.

Der Gesamtausstoß im Konzern, für den es keine Vorjahreszahlen gibt, hat sich auf ungefähr 2,1 Millionen Hektoliter gesteigert. Dabei wurde das Produktionsergebnis der argentinischen Tochter Cerveceria Schneider S. A., Santa Fé, mit 0,5 Millionen Hektoliter angegeben und das der Beteiligung in Nürnberg, der Brauhaus Nürnberg J. G. Reif AG, mit ungefähr 360 000 Hektoliter.

Doch Henninger ist auch noch in Italien und Spanien aktiv und über die Henninger International Brauereiberatung und Management AG laufen Betreuungen junger Brauereien in Übersee.

Neben dem Bier sprudelt bei Henninger auch die Limonade. Der Ausstoß an alkoholfreien Getränken, die von der Florida International Fruchtsaft-Getränke GmbH und der Westgetränke GmbH, beide Frankfurt, hergestellt werden, wird mit rund 400 000 Hektoliter angegeben. Gerade mit Florida hat Henninger einen guten Griff getan. Es wird in Lizenz bereits in der Schweiz, in Norwegen und Dänemark abgefüllt, es laufen weitere Konzessionsverhandlungen mit EWG- und EFTA-Ländern und sogar mit einigen Ostblockstaaten.

Die Signale scheinen somit bei Henninger auf „grün“ zu stehen. Und die Tatsache, daß sich im vergangenen Jahre die Reemtsma Zigarettenfabriken GmbH, Hamburg, mit 9 Prozent am Kapital beteiligt haben, das allerdings zu drei Viertel durch den persönlich haftenden Gesellschafter Bruno Schubert kontrolliert wird, deutet auf eine neue aktive Phase in der Unternehmensgeschichte hin. Noch hat sich diese Reemtsma-Beteiligung nicht ausgewirkt; doch wird vielfach vermutet, daß mehr dahintersteckt als nur die dürre Erläuterung von Reemtsma: man wolle sich, nachdem man nun einmal schon im Sektgeschäft bei S. C. Carstens tätig sei, auch in der Bierbranche Fuß zu fassen. bo