Fünf Jahre nach dem Zusammenbruch der Borgward-Gruppe – das Eingreifen des Bremer Staates hat den Konkurs dann noch um ein halbes Jahr hinausgeschoben – soll nun ein Schlußstrich unter dem ersten spektakulären Konkurs der Nachkriegszeit gezogen werden. Das überraschende Ergebnis: Ein Teil der Gläubiger werden 100 Prozent ihrer Forderungen erhalten, und weniger als 50 Prozent wird niemand bekommen.

Wie war das damals vor fünf Jahren? Und was ist aus den Werken geworden, aus den Menschen, aus den Maschinen? Unser Beitrag, der erste in einer Folge über die großen Nachkriegskonkurse, versucht dies nachzuzeichnen.

1. Der Konkurs

Am 28. Juli 1961, einem Freitag, stellten die Geschäftsführer der Borgward GmbH, der Goliath-Werke GmbH und Lloyd Motorenwerke GmbH beim Vergleichsrichter des Amtsgerichts den Antrag auf ein Vergleichsverfahren, da die Unternehmensgruppe ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte. Gleichzeitig wurde den 16 000 Arbeitskräften gekündigt. Sechs Wochen später, am 11. September, wurde das Anschlußkonkursverfahren über Borgward und Goliath eröffnet. Bei den Lloyd-Werken schien ein Vergleich noch möglich.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Verbindlichkeiten bei Borgward mit 278 Millionen Mark und bei Goliath mit 31 Millionen Mark ausgewiesen. Bei Lloyd betrugen die Verbindlichkeiten 64,3 Millionen Mark.

2. Die Vorgeschichte

Buchstäblich aus Trümmern hatte Carl F. W. Borgward, ein hervorragender Autokonstrukteur, nach dem Zweiten Weltkrieg seine Automobilwerke in Bremen wiederaufgebaut.