Von Erich Bodendiek

Die Deutschen haben nach dem Kühlschrank, dem Fernsehapparat und dem Auto ein neues Statussymbol: den echten Orientteppich. Die Umsätze des Teppichfachhandels waren noch nie so hoch wie vor dem letzten Weihnachtsfest. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor, aber übereinstimmend loben die Teppichhändler den neuesten deutschen Hang zur Wohnkultur.

Doch ahnen die stolzen Käufer auch nur im entferntesten, was sie in manchen Fällen auf ihren Fußböden liegen haben, wofür sie häufig einen Batzen Geld bezahlten? „Siebzig Prozent der Einfuhr ist Schund“, stellt nüchtern der Präsident des Verbandes der deutschen Importeure orientalischer Teppiche im Bundesgebiet, Heiner Jacoby in Frankfurt fest.

Das klingt arg, wenn bedacht wird, daß sich im Jahr 1964 der Import „handgeknüpfter Teppiche aus Wolle oder feinen Tierhaaren“ – so lautet die offizielle Bezeichnung für diese realisierten Träume aus Tausendundeiner Nacht – auf 186 Millionen Mark stellte und für das letzte Jahr auf etwa 230 Millionen Mark geschätzt wird. Damit kommt der Wert der Importe bereits nahe an die Produktion vergleichbarer Erzeugnisse der deutschen Teppichindustrie heran, die sich 1964 auf 220 Millionen Mark belief. Obwohl die Qualität der deutschen Erzeugnisse mit der Orientproduktion zweifellos Schritt hält – von Spitzenqualitäten vielleicht abgesehen –, zielt der Run eindeutig auf den „echten“ Importteppich. In den dreißiger Jahren kamen für etwa 6,5 Millionen Reichsmark Orientteppiche ins Land, 1952 waren es für 5 Millionen Mark. Seither stieg die Kurve immer steiler an – bis auf die 230 Millionen Mark des vergangenen Jahres.

Seit Jahren schon ist die Bundesrepublik des Schahs bester Kunde. Denn nahezu 85 Prozent aller bei uns eingeführten Orientteppiche stammen aus dem Iran.

Allein aus dem Iran erhöhte sich die Einfuhr in den ersten drei Quartalen des letzten Jahres gegenüber der Vorjahreszeit um nahezu ein Viertel auf knapp 124 Millionen Mark. An zweiter Stelle mit einem Anteil um 8 Prozent folgt Afghanistan, in den Rest teilen sich Türkei, Pakistan, Indien und Kaukasus als Orientteppichländer im engeren Sinne, sodann China und die Randländer des Mittelmeeres einschließlich des Balkans.

Die gewaltig anschwellende orientalische Teppichwoge läßt die Besorgnis der deutschen Teppichindustrie nicht ganz unberechtigt erscheinen. „Die Orientteppiche sind für unsere Wollteppiche eine sehr starke Konkurrenz“, beschwert sich der Verband der deutschen Teppich- und Möbelstoffindustrie in Wuppertal-Elberfeld.