Ein großer Forscher ? Ein großer Mensch!

Von Hartmut Jäckel

Die Zeitungen meldeten, daß der Schriftsteller und Archäologe Wolfgang Cordan am 29. Januar 1966 im Alter von sechsundfünfzig Jahren auf einer Forschungsreise in Guatemala gestorben ist.

Damit endet ein Leben, das mit der Welt unserer Tage, mit der verwirrenden zivilisatorischen Dynamik des 20. Jahrhunderts nur wenige Berührungspunkte gehabt hat.

Dennoch war Cordan weder weltfremd noch unpolitisch. Er wußte, was er sich und dem fordernden Geist des Georgekreises, dem er in jungen Jahren angehört hatte, schuldig war. Als Hitler an die Macht kam, hat Cordan, der gebürtige Berliner, Deutschland verlassen.

Er ist nie mehr nach Deutschland zurückgekehrt, um hier seßhaft zu werden. Einmal hat er es noch versucht, in Tübingen.

Damals, im Winter 1951/52, lernte ich ihn kennen. Er hatte, nach einem langen Sommer an den europäischen Küsten des Mittelmeers, die Ein-Mann-Redaktion der Zeitschrift story übernommen. Für ihn, der sich unter einem grauen Himmel beengt und bedrückt fühlte, war das ein hartes Brot. Immerhin, die Gelegenheit, hier und da ein junges Schreibtalent fördern zu können, wurde nach Kräften genutzt; Entdeckerfreude war gewiß der elementarste Zug in Cordans Wesen.