DIE ZEIT

Die Herrschaft der Generäle

So ist es Kwame Nkrumah, gestern noch Ghanas "großer Messias" und "glorreicher Baumeister des Staates", in Peking und auch in Moskau passiert.

Kleiner Schritt in Berlin

Die Berliner Passierscheingespräche haben endlich einen Lichtblick gebracht: Es gelang dem Senatsrat Korber in den drei Gesprächen von Sonnabend bis Dienstag, die Vorbedingung zu retten, die allein die Fortsetzung der Passierscheinpolitik möglich macht: die Klausel der gegenseitigen Nichtanerkennung.

Was die Glocke schlägt

Das Unbehagen wich der Unruhe, die Unruhe der Bestürzung. Was sich in der "Glocke" (der Beruhigungszelle im Hamburger Untersuchungsgefängnis) ereignet hatte, erschien zunächst mehr als ein Ausnahmefall, eine Erscheinung am Rande, niemals zu billigen, aber aus manchem doch zu erklären.

Wilson wagt die Wahl

Druck aus dem eigenen Lager und die Gunst der Stunde haben Harold Wilson nun doch veranlaßt, seine innere Stimme, die vor März-Wahlen gewarnt hatte, zu überhören.

Angstwahl in Österreich?

Am Sonntag, dem 6. März, werden 4,8 Millionen Österreicher – 80 000 mehr als bei der letzten Parlamentswahl im November 1962 – die 165 Abgeordneten zum Nationalrat wählen – wie üblich vorzeitig und wie üblich in apokalyptischer Atmosphäre.

Minister mit Elektronengehirn

Ob seine Eltern jemand Bestimmtes im Sinn hatten, als sie ihm den zweiten Vornamen Winston gaben? Das war 1917. An Churchill erinnert er überhaupt nicht, allenfalls durch seine bullige Energie und eine Neigung zum Sonntagsmalen.

ZEITSPIEGEL

Die Familienangehörigen sowjetischer Bürger in Hanoi, die nach dem Beginn der amerikanischen Bombenangriffe im vergangenen Jahr evakuiert worden sind, dürfen in die nordvietnamesische Hauptstadt zurückkehren.

Der Streit um Wehner

Es ist schwierig geworden, gegen Herbert Wehner zu polemisieren. Wo mit Verdächtigungen, Unterstellungen und perfiden Angriffen auf moralische Integrität eines umstrittenen Mannes gearbeitet wird, bleibt für politische Argumente wenig Platz.

Taktik - kein Ersatz für Politik

Die Debatte um die Situation der Sozialdemokratie konzentriert sich gegenwärtig auf die Person und die Politik Herbert Wehners.

Wie frei ist Francos Spanien – wie frei kann es werden? Darüber haben in den letzten Wochen der Historiker Golo Mann und der Schriftsteller Michel el Castillo argumentiert. Hier ein Schlußwort von Professor Mann:: Hoffnung für Spanien

Noch immer sind Wort und Begriff "Franco-Spanien" für viele mit starken Emotionen verbunden. Um das Land läuft etwas wie ein geistiger Wall, auf dem geschrieben steht: "Wer ein rechter Demokrat sein will, der muß hier gar nichts gut und alles schlecht finden.

Ketzereien aus Kanzleien

Manche Einsicht kann selbst dann, wenn sie zu spät kommt, der Vernunft noch eine Gasse bahnen helfen. Diese Wirkung wenigstens möchte man der Studie wünschen, die das Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen (von dem manche Leute keine gesamtdeutschen Antworten wünschen) vorsichtig als eine "Aufzeichnung von Gedanken" zur Oder-Neiße-Denkschrift der Evangelischen Kirche bezeichnet.

Johnens Vertuschungsversuch

Der CDU-Abgeordnete Adolf Bex, Schreiner und Holzbildhauer von Beruf, soll zehn oder sogar zwölf Jahre lang widerrechtlich Entschädigungszahlungen des Landtages für einen in Wirklichkeit gar nicht eingetretenen Verdienstausfall bezogen haben.

Wer macht die Arbeit?

Die Landesverbände der CDU beobachten argwöhnisch die Bonner Beratungen über die neue Parteispitze. Sie fürchten, "die Bonner" könnten die Erbschaft des Parteivorsitzenden Adenauer mehr nach persönlichen Ambitionen und Interessen als nach sachlichen Notwendigkeiten aufteilen.

Streit der Ideologen in der CDU

Der Streit um die Führung der CDU hat jetzt auch die Ideologen auf den Plan gerufen. Vertreter des linken Parteiflügels, dessen Stammland Nordrhein-Westfalen ist, haben ihre Bedenken gegen den jetzigen Kanzler und künftigen Parteichef weltanschaulich motiviert.

Machtkampf in Maos Reich

Drei Wochen lang tagten in Peking die Polit-Offiziere der chinesischen Volksbefreiungsarmee. Die Rede, die der ranghöchste politische Kommissar, Hsiao Hua, auf dieser Konferenz gehalten hat, beweist, daß das Verhältnis zwischen Armee und Partei in China nicht völlig den Vorstellungen Mao Tse-tungs entspricht.

Bonn wartet ab

Die Bundesregierung hat nicht die Absicht, Vorschläge zu einer Reorganisation der NATO zu machen. Wie die dreizehn NATO-Partner außer Frankreich hält sie die Integration für die militärisch wirksamste, überzeugend abschreckende Organisationsform der verbündeten Streitkräfte.

Was will der General?

Die Kampfansage General de Gaulles an die NATO hat in manchen französischen Amtsstuben mehr Überraschung ausgelöst als im Ausland.

Gelassenheit gegenüber de Gaulle

Die amerikanische Regierung trägt gegenüber den Ankündigungen General de Gaulles, er wolle Frankreichs NATO-Mitgliedschaft zwar nicht aufgeben, sein Land aber bis zum April 1969 ganz aus der integrierten Kommando- und Planungsstruktur des westlichen Bündnisses lösen und die amerikanischen Flugplätze, Nachschubanlagen sowie alle alliierten Einrichtungen auf französischem Boden der "Kontrolle" seiner Regierung unterstellen, selbstzufriedene Gelassenheit zur Schau.

Die Gelegenheit ist günstig

Herbert Wehner brach am Montag mit einem Tabu der bundesdeutschen Politik: Er halte (sagte er vor der Presse in Bonn) "die Gelegenheit für günstig, einen offenen Dialog aller Parteien in beiden Teilen Deutschlands in Gang zu bringen".

Hassels Gegenschlag in Sachen Starfighter

Vier Wochen vor der Bundestagsdebatte über die Starfighter-Affäre ist Bundesverteidigungsminister Kai – Uwe von Hassel zur Gegenoffensive angetreten: Zwei Interviews (im Fernsehen und in der Welt), zwei Round – Table-Gespräche für ausgewählte Journalisten auf der Hardthöhe und am Dienstag schließlich ein Auftritt vor der Bundespressekonferenz folgten einander.

Von ZEIT zu ZEIT

Nach dem Umsturz in Ghana wurden 130 sowjetische Berater aus Accra abberufen. Der gestürzte Staatschef Kwame Nkrumah begab sich von der chinesischen zur sowjetischen Hauptstadt.

Unruhe in Uganda

Am selben Tage, als die Armee im westafrikanischen Ghana Präsident Nkrumah absetzte, hat im ostafrikanischen Staate Uganda Ministerpräsident Milton Obote die Verfassung seines Landes außer Kraft gesetzt.

Namen der Woche

Viktor Krawtschenko, ehemaliger Hauptmann der Roten Armee, der im Zweiten Weltkrieg in die Vereinigten Staaten emigrierte ("Ich wählte die Freiheit") und seither mehreren Mordanschlägen entging, hat sich nach Angaben der Polizei in seiner Washingtoner Wohnung erschossen.

Putsche in Afrika

Nigeria, 15. 1. 66: Major Nzeogwu putscht gegen die Bundesregierung und die Regionalregierungen. Bundespremierminister Balewa und zwei Regional-Regierungschefs werden ermordet.

Damaszener Chinesen

Die radikalen "Jungtürken" der sozialistischen Baath-Partei in Syrien haben vorige Woche im fünfzehnten und blutigsten Militärputsch seit 17 Jahren abermals die Macht an sich gerissen, die sie vor zwei Monaten an den gemäßigten pan-arabischen Flügel der Partei verloren hatten.

Drehscheibe Berlin

"Wir haben nichts gegen die Reisen westdeutscher Orchester und Theater in die Zone, sondern wir meinen, daß das, was sich zwischen Hildesheim und Magdeburg, Frankfurt und Ostberlin anbahnen könnte, eines Tages auch zwischen Berlin und Dresden, Berlin und Leipzig und sogar zwischen Berlin und Berlin möglich sein müßte.

Rote Venus

Nach der Devise "Doppelt hält besser" schickten die Sowjets im November letzten Jahres im Abstand von vier Tagen zwei Raumsonden auf eine Reise zur Venus.

Militärattache in Rußland

General Ernst Köstring. Der militärische Mittler zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion 1921–1941. Bearbeitet von Hermann Teske, Verlag E.

Symptom für provinzielle Enge

Ich will mich hier beschweren. Ich will meinem Ärger Luft machen. Doch werde ich vorher kurz, wenigstens an Hand von zwei Beispielen, zu erklären versuchen, mit welchen natürlichen und grundsätzlichen Schwierigkeiten sich heutzutage politische Lektoren herumzuschlagen haben.

Hauptsache: Die privaten Neigungen

haben Publizisten genug, die China in der letzten Zeit besucht haben. Viele berichteten oder setzten sich nicht nur mit ihren chinesischen Begleitern und deren propagandistischen Erklärungen auseinander, sondern gingen auch auf ihnen geläufige, erlebte oder geschichtliche Hintergründe ein.

Japan

Der Untertitel des Buches führt insofern irre, als es sich nicht darauf beschränkt, die Zwiespältigkeit aufzuzeigen, die aus dem Begehren nach Auflehnung und dem Bedürfnis nach Unterordnung in der japanischen Gesellschaft erwächst.

Staatsideen in Dokumenten

In diesem Sammelwerk von Gedanken über den Staat fehlt kaum ein erlauchter Name, von Ramses II. und Lao-Tse bis zu Djilas und Kennedy.

"Ein gigantischer Bluff"

Charles de Gaulle schätzt seine Force de Frappe nicht nur als Faktor der "Weisheit und Umsicht in einer gefährlichen Welt". Er will auch gern den Nachweis führen, daß solche Umsicht heute nicht schwindelerregend teuer sei: Was Frankreich nach seinen Worten eine "unvergleichliche Sicherheitsgarantie" bietet, was es aus einem Land "minderen Grades" in eine Weltmacht zurückverwandeln und damit der amerikanischen Hegemonie entziehen soll, kommt dem französischen Steuerzahler angeblich billiger zu stehen als die Summe der Sozialzuschüsse, die von der Staatskasse an die armen Bauern der Provinz gegeben, werden.

Eine Lausbubengeschichte?

Grabschändung in München. Der Tatort allein war bedeutsam genug, Münchens Oberbürgermeister Dr. Vogel zu veranlassen, eilig eine Pressekonferenz einzuberufen und die Journalisten auf den alten jüdischen Friedhof in der Thalkirchner Straße zu führen.

Das letzte Gefecht

Die Bayern wittern Unrat. Der politische Wind aus Bonn trägt ihnen das altvertraute Lied einer zentralistisch gesonnenen Bundesmacht zu.

Der Turm zu Bonn

Im Bücherregal des Bundestag-Direktors Troßmann liegt ein dicker steinerner Klotz mit der Aufschrift "Grundstein für den Neubau".

Bartels kontra Bartels

Die idyllische, bäuerlich-friedliche dithmarsche Kleinstadt Wesselburen kommt nicht zur Ruhe. Der Streit um den nationalsozialistischen Literaturhistoriker und antisemitischen Vorkämpfer Adolf Bartels geht weiter.

Es war Weiberfastnacht

Wer sucht, der findet: Weil ihm ein Todesfall nicht aufregend genug war, machte der Düsseldorfer "Mittag" daraus einen Mord, so richtig schön undurchsichtig und gefährlich.

Der Fall Karczewski

Im Zentralkrankenhaus der Untersuchungshaftanstalt starb, wie erst am 26. Februar bekanntgegeben wurde, am 5. Dezember 1965 der Gefangene Paul Karczewski, 42 Jahre alt.

Tod aus Tradition

Schüchterner Beifall kam von den Zuschauerbänken, als das Hamburger Schwurgericht sein Urteil im Prozeß gegen den ehemaligen Admiral Wenneker und den Kapitän von Allwörden verkündete.

Kinder gucken in den Kosmos

... und auf den Hühnerhof – Unterrichtsfilm im Zeitalter des Fernsehens: Mittel der Sacherfahrung

FERNSEHEN: Oma und Opa reisen im April

Frau Wilhelmine Lübke, so steht zu erwarten, würde sich die Bezeichnung Oma energisch verbitten; auch Konrad Adenauer dürfte nicht unbedingt Wert darauf legen, im Parlament als Opa angesprochen zu werden; niemand käme auf den Gedanken, den alten Fontane, den neunzigjährigen Shaw, den Autor des zweiten Faust oder den späten Tizian unter die Opas, Tilla Durieux, Katja Mann und Queen Victoria unter die Omas einzureihen.

Unser Kritiker sah:: AMERICAN BLUES

Uraufführungen, "eine Weltpremiere", von Tennessee Williams in Bad Godesberg – dabei konnte es sich nur um Abfälle aus der Werkstatt des Dramatikers oder um eine Sensation handeln.

Niederländische Chormusik

Was einen einladen konnte, eine Sendung mit alter und neuer niederländischer Chormusik abzuhören, das war die Frage, ob es in einem Kulturraum, in welchem von jeher Tradition groß geschrieben wurde, in dem aber andererseits, wenn es um die Freiheit ging, auch Kräfte des Aufbegehrens von erstaunlicher Ausdauer wirksam wurden – ob es da eine übergreifende höhere Einheit des Stils und somit des Wesensausdrucks über die Jahrhunderte wie über die veränderten politischen Zustände hinweg gebe.

FILM

"Rancho River" (USA; Verleih: Universal): Neuere Western geben sich entweder parodistischbeiter und sind öde oder versuchen vom Glanz der alten zu zehren und sind rührend wie dieser, in dem es um einen von zwei englischen Ladies in die Staaten verbrachten hornlosen Zuchtbullen geht.

Im Brennpunkt des Gesprächs:: Von der Kritik zum Dialog

"Schonende Gedankengänge" nannte Frau Dr. Hildegard Hamm-Brücher in ihrem Beitrag (ZEIT Nr. 7/66) Ralf Dahrendorfs Buch "Bildung ist Bürgerrecht" und forderte "einen weit radikaleren Umbruch" im bundesrepublikanischen Bildungswesen.

ZEITMOSAIK

Dem unlängst zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilten sowjetischen Schriftsteller Julij Daniel (Nikolaj Arshak) hat man, wie aus Moskauer Zeitungen hervorgeht, auch "Pornographie" zur Last gelegt.

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