Vor sieben Jahren, am 11. April 1959, erfüllte sich für Willy H. Schlieker ein Jugendtraum: Auf seiner Werft lief der erste Schiffsneubau vom Stapel, die „Rhinore“, ein 19 300 Tonnen tragender Massengutfrachter für die Atlantic Bulk Carriers Inc., Monrovia. Schlieker, ein Selfmademan, wie er im Buche steht, schien es geschafft zu haben. Bei Fachleuten galt seine Werft auf dem Hamburger Steinwerder – dort wo sein Vater einst als Kesselschmied bei Blohm & Voss gearbeitet hatte – als eine der modernsten Europas.

Und doch: Drei Jahre später gab es den größten Zusammenbruch der Hamburger Wirtschaftsgeschichte.

1. Der Konkurs

Am Vormittag des 24. Juli 1962, einem Dienstag, beantragt Willy H. Schlieker, Geschäftsführer und Komplementär der Willy H. Schlieker KG, Hamburg, beim Hamburger Amtsgericht die Eröffnung des Vergleichsverfahrens, da seine Unternehmensgruppe ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte. In zähen Verhandlungen versuchte er dann einen Vergleichsstatus zu schaffen; doch er scheiterte. Am 10. August wurde das Anschlußkonkursverfahren über das Vermögen der Schlieker KG eröffnet.

Neben den vier Betriebsabteilungen der Kommanditgesellschaft – der Schlieker-Werft, der Schlieker Kessel- und Maschinenbau (früher OEW), dem Metall- und Kaltwalzwerk Langenberg und der Schlieker Anlagen-Export GmbH, Düsseldorf – gehörten zu dem Konzern 20 in- und ausländische Tochter- und Beteiligungsgesellschaften. Schlieker bezifferte die Verbindlichkeiten auf etwa 125 Millionen Mark, wobei eine Liquiditätslücke von 25 bis 30 Millionen Mark bestanden haben soll.

2. Die Vorgeschichte

Mit der Genehmigung eines Organvertrages mit der Willy H. Schlieker GmbH, Düsseldorf, auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der Ottensener Eisenwerk AG, Hamburg-Altona, am 27. September 1952 war Schlieker Werftherr geworden. Der Konzernchef verfügte damals mit der Otto R. Krause Eisengroßhaus GmbH, Düsseldorf, über eine der leistungsfähigsten Eisen- und Stahlgroßhandelsfirmen an der Ruhr.