Dorst ziert sein Stück noch mit etwas Theaterromantik aus, mit äpfelpflückenden Mädchen, schnurrigen Jagd- und Liebesszenen. Während Brecht in „Pauken und Trompeten“ Adel und Bürgertum in eine sardonische Beleuchtung rückte, verwischt sich bei Dorst die beabsichtigte kritische Behandlung der oberen Stände ins märchenhaft Stilisierte. Im übrigen geht es in den burlesken Szenen so recht, volkstümlich zu, und unter dem augenzwinkernden Wohlwollen des Königs wie des Volkes kann sich der falstaffische Schuhmacher voll entfalten.

Alle Figuren sind Typen: die Bürgerstochter charmant und naiv, die Schustersfrau dümmlich, die Schustergesellen derb und fröhlich, sie trinken gern und haben auf ihre Weise auch etwas vom Spiel: Sie arrivieren zum Schluß ebenfalls. Das Publikum hatte seinen gemütlichen Theaterspaß, und beileibe: Es wurde keinem wehe getan an diesem Abend, auch nicht Thomas Dekker.

Das Bühnenbild von Hansheinrich Palitzsch mit seinen stilisiert gezeichneten Kulissen, die sich jeweils vom Bühnenboden herabsenkten, dem brechtschen Halbvorhang unterstrich die Nähe zu Brechts Inszenierung von „Pauken und Trompeten“. Sogar die leicht verjazzte Marschmusik, mit der Brecht seine militärischen Szenen zu würzen pflegte, war zu vernehmen.

Das Essener Ensemble hatte seine nicht gerade differenzierten, aber spiel- und situationsfreudigen Rollen, die es unter der Regie von Joachim Fontheim nach Kräften nutzte, allen voran Alfred Bockel als Silicon Eyre in derb-listiger und unentwegter Fröhlichkeit und Gudrun Genest als seine fröhlich-dümmliche Frau. Brigitte Lebahn (Jane) bot ein kleines Kabinettstückchen in ihrer Knopfverkäuferinnenszene. Michael Enk (Ralph) war als einziger nicht typisiert und karikiert, aber dadurch machte ihn Dorst noch nicht zu einem Fewkoombey. Und der huldvolle König (K. H. Kellermann) zum Schluß war so würdig und gnädig, wie man ihn sich dermaleinst vorstellte. Er hatte eben am fröhlichen Volke seinen huldvollen Spaß,

Kurzum – ein harmloser Abend.