Werden sich die europäischen Rundfunkanstalten endlich für ein einheitliches Farbfernseh-System entscheiden?

Von Thomas v. Randow

Großbritannien hat sich grundsätzlich dafür entschieden, das in der Bundesrepublik entwickelte Farbfernseh-System PAL zu übernehmen. Dies erklärte der englische Generalpostmeister Anthony Wedgwood-Benn am letzten Donnerstag vor dem Unterhaus; er fügte abergleich hinzu, daß die endgültige Entscheidung noch von der Konferenz der Union der Europäischen Rundfunkanstalten (EBU) abhinge, die im Juni in Oslo stattfinden soll.

Vor einigen Monaten las man, die Sowjetunion habe sich für das in Frankreich entwickelte SECAM-Farbfernseh-System entschieden, für das natürlich Frankreichs Vertreter in Oslo plädieren werden. Jetzt heißt es, die Sowjets hätten ihre Absicht geändert und planten nunmehr, ebenfalls das PAL-Farbfernsehen in ihrem Lande einzuführen.

Während sich Amerikaner seit über einem Jahrzehnt und Japaner seit sechs Jahren an bunten Fernsehdarbietungen erfreuen, haben die europäischen Länder noch immer keine Einigung über das technische System erzielen können. Seit langem finden Konferenzen darüber statt, und weil sie bislang zu keinem Ergebnis geführt haben, wurde die Einrichtung des Farbfernsehens in Europa von Jahr zu Jahr verschoben. Ein einheitliches europäisches Farbfernseh-System wäre nicht nur die Voraussetzung für künftige bunte Eurovisions-Sendungen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen wünschenswert. Der ohnehin nicht leicht zu erschließende Markt für die teuren Farbfernsehgeräte müßte sich schon über Europa erstrecken, um für eine Herstellerfirma überhaupt interessant zu sein.

Ist es nun wirklich so schwer, sich auf ein bestimmtes Verfahren der Bildübertragung zu einigen? Vom technischen Standpunkt aus gewiß nicht. Aber Stabilität und Qualität des Bildes sowie die Herstellungskosten für die Sende- und Empfangsgeräte fallen offenbar nicht so sehr ins Gewicht wie wirtschaftspolitische Erwägungen.

Die amerikanischen und japanischen Apparatehersteller sähen es gern, wenn sich Europa dazu entschließen würde, dem in jenen Ländern eingeführten NTSC-System (National Television System Committee) zuzustimmen, zumal dann auch via Nachrichtensatellit Farbprogramme aus den USA und Japan ohne Schwierigkeit übernommen werden könnten. Indessen machen die meisten Mitglieder der EBU geltend, man müsse den technischen Fortschritt, der sich Europa gewissermaßen als Lohn für das lange Warten anbiete, nutzen. Doch dieser Lohn ist zwiespältig, denn zwei wesentliche Verbesserungen gegenüber dem amerikanisch-japanischen Verfahren konkurrieren jetzt miteinander: das französische SECAM (Systeme En Couleur Avec Mémoire) und PAL (Phase Alternation Line), die Erfindung des deutschen Ingenieurs Dr. Walter Bruch.