Th. v. U., München

Einer katholischen Zeitung kann es nur darum gehen, das Wohl aller im Auge zu behalten.“ Mit diesem Credo feuerte der Chefredakteur der Würzburger „Deutschen Tagespost“, Ferdinand Römer, seinen Fuldaer Mitarbeiter Alfons Sarnach. Er war kein gewöhnlicher Mitarbeiter, Sarrach ist Pater. Woche für Woche schrieb er in der „Tagespost“ eine Kolumne unter dem Pseudonym BEN. In recht unbekümmertem Ton war er gegen alles zu Felde gezogen, was er für „Mißstände im katholischen Raum“ hielt.

BEN war nicht zimperlich. Er sah sich als „so etwas wie einen Arbeiterpriester in der Publizistik“. Seine Devise: „Schrei, wenn du nicht reden kannst.“ Sein Fazit nach dem Hinauswurf: „Ich werde mir den Mund nicht stopfen lassen.“ BEN alias Pater Sarrach wittert hinter seiner Entlassung ein Komplott der katholischen Bistumspresse, von der die Würzburger Redaktion unter Druck gesetzt worden sei. „Tagespost“-Chef Römer: „Das ist eine Lüge.“

Dem Betrachter muß die katholische Presse wie ein undurchdringliches Dickicht erscheinen. Es gibt allein 22 Bistumsblätter mit 2,4 Millionen Beziehern, die ihre Ambitionen für die CDU/CSU meist nur vor Wahlen entdecken. Kritiker meinen, die katholische Presse müsse gegen sich gelten lassen, was der Direktor der katholischen Akademie in Bayern, Prälat Forster, einmal so umschrieb: „Die eigentliche Krise des deutschen Katholizismus besteht darin, daß er im Grunde die Gettomauern des 19. Jahrhunderts noch nicht überwunden hat.“ Pater Sarrach drückt sich drastischer aus: „Kirchenpresse, das ist für mich ein Stichwort, wo ich die Beherrschung verliere.“

Gegen diese Kirchenpresse – die er gelegentlich auch gern „Oma-Presse“ nennt – war Sarrach in der „Tagespost“ zu Felde gezogen, wie auch gegen die Mehrzahl der Priester selbst. Seine Freunde sagen: Sarrachs Angriffe lägen ganz auf der Linie des Konzils. Außerdem beweise nicht, nur die hohe Quote der Leserbriefe, daß Sarrach/BEN der „Tagespost“ eine recht erhebliche Auflagensteigerung eingetragen habe. Der Pater selber meint, er habe das Blatt auf BEN-Niveau gebracht, weg vom kühlen Katholizismus und hin zu Volksfrömmigkeit und Wunderglauben. Sarrach plädierte auch für den Jazz in der Kirche.

Ihm habe, so vermutet Sarrach, etwas anderes das Genick gebrochen: das politische Aroma eines Blattes, das weniger das „Wohl aller im Auge behält“, sondern eher seine Kräfte für den katholischen Politiker Strauß konzentriert. Als ehemaliges Mitglied der umstrittenen PAX-Gruppe, die in Polen den friedlichen Kontakt mit den Kommunisten sucht, paßt Sarrach nicht in die „Tagespost“-Landschaft.

Sarrachs Vorbild ist Karl Rahner; er schwärmt: „Ich wollte, ich dürfte Heinrich Böll sein“, und sagt: „Die Massenmedien des zwanzigsten Jahrhunderts sind Großkanzeln unserer Zeit.“ Daß er seinen Neigungen nun bei der „neuen bildpost“ nachgehen muß, behagt ihm nicht. Denn auch hier stehen die Fahnen auf Sturm – gegen Erhard und für Franz Josef Strauß.

In der „Tagespost“ erscheint dort, wo sonst BEN schrieb, ein schwarzer Balken. Er mahnt den Leser, zu bedenken, daß hier einst kein Unschuldslamm, sondern ein schwarzes Schaf sein Unwesen trieb. Oder wie Ferdinand Römer es seinen Lesern erklärte: „Verallgemeinerungen, Übertreibungen bieten immer nur Teilaspekte. Sie schaden dem Ganzen. Sie haben uns geschadet. Das muß anders werden.“