"Leoparden küßt man nicht" (USA; Verleih: Cinema Service): Hinter dem verunglückten, vulgarisierenden Titel verbirgt sich eine der schönsten, vielleicht die am besten inszenierte Komödie des amerikanischen Films – Howard Hawks’ "Bringing Up Baby" aus dem Jahre 1938, ein chef d’oeuvre, neben dem alle nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Filme dieses großen Routiniers verblassen. Katherine Hepburn bringt Gary Grant zur Strecke, er heiratet sie, obwohl er ein ganz anderes Mädchen heiraten wollte, seine ihm ergebene Assistentin, und des Braven Lebenswerk, die mühselige Rekonstruktion eines Saurier-Skeletts aus überall in der Welt verstreuten Einzelknochen und -knöchelchen, hält dem Ansturm der energischen jungen Dame ebensowenig stand wie seine Vorstellung, er sei es, auf den es ankäme. Die Obsession eines allgewaltigen Matriarchats, dieses Trauma des amerikanischen Mannes, dem Hugh Hefners obskure Playboy-Philosophie ihre Popularität verdankt und das zum Teil auch die Beliebtheit der Western erklärt (damals war es anders, als der Colt noch an den Hüften der Männer baumelte, standen die Sachen zum Besten) – über diese Obsession hat sich Hawks mehr als einmal lustig gemacht, aber nie so glücklich und so ironisch wie hier. Und doch entsteht dieser Film erst jenseits des Sujets – in der phantastischen Präzision seiner Gags, der Hintergründigkeit seiner Manierismen. Die verspätete deutsche Premiere kommt noch früh genug: Es ist heute wahrscheinlich leichter, den Film hinter dem Film zu entdecken, als damals – außerdem haben die Jahre diese sophisticated comedy nicht um ihre Sensationen bringen können. U. N.