A. d. F., Rom, im März

Guten Morgen, Eure Heiligkeit, wir haben uns seit vier Jahrhunderten nicht gesehen." Mit diesen Worten begrüßte im Dezember 1960 der Erzbischof von Canterbury, Geoffrey Fisher, den Papst Johannes XXIII. Seinen privaten Besuch bezeichnete der Primas der Anglikanischen Kirche damals als "historisch". Johannes XXIII. erklärte realistischer: "Wir sind an der Pforte der großen Probleme stehengeblieben."

Papst Paul VI. hingegen empfängt den Nachfolger des pensionierten Lord Fisher of Lambeth in feierlicher Form in der Sixtinischen Kapelle und später in seiner Privatbibliothek. Arthur Gordon Michael Ramsey, der 62jährige Repräsentant der 44 Millionen anglikanischen Gläubigen, ist in offizieller Mission und in Begleitung einer sechsköpfigen Delegation nach Rom gekommen.

Wenige Tage vor diesem Treffen hat Paul VI. eine Verfügung der Kongregation zur Wahrung des Glaubens, des ehemaligen "Heiligen Offiziums", veröffentlichen lassen, die in der heiklen Frage der Mischehen einige Zugeständnisse an die protestantischen Kirchen macht. Dies geschah im Hinblick auf den Besuch Ramseys. Man weiß in Rom, welch großen Wert die Anglikaner auf eine Regelung dieser Frage legen; Erzbischof Ramsey hatte sie als das größte Hindernis auf dem Wege zur Wiedervereinigung der Anglikaner und Katholiken bezeichnet. Die neue Verfügung sieht auch rückwirkend die Aufhebung der Exkommunikation jener Katholiken vor, die sich vor einem Priester anderer Konfession trauen ließen. Sie können jetzt in ihrer Kirche ganz regulär heiraten, vorausgesetzt, daß der nichtkatholische Teil sich verpflichtet, die Kinder katholisch zu erziehen. Bei der Trauung in der katholischen Kirche ist von nun an die Anwesenheit eines nichtkatholischen Priesters erlaubt, der sogar eine Rede an das Brautpaar richten darf.

Diese Verfügung, die zunächst zur Erprobung – ad experimentum – getroffen wurde, ist von den Anglikanern nicht günstig aufgenommen worden. Sie geben zu, daß sie einen Schritt vorwärts darstellt, aber sie beanstanden, daß nach wie vor die katholische Kirche eine Trauung in einem nichtkatholischen Ritus für ungültig erklärt und daß sie nach wie vor darauf besteht, daß die Kinder aus einer Mischehe katholisch erzogen werden. Die Abschaffung einer schriftlichen Erklärung des nichtkatholischen Partners in diesem Sinn kann, nach Ansicht von Erzbischof Ramsey, das Problem nicht lösen.

Über die Mischehe also wird er mit Paul VI. sprechen, genau wie über die Frage, ob die 38 Bischöfe der Anglikanischen Kirche, deren symbolisches Oberhaupt die Königin ist, von Rom als rechtmäßige Nachfolger der Apostel anerkannt werden. Es ist schwer, sich vorzustellen, daß ein Gespräch von wenigen Stunden genügt, um die Differenzen zwischen beiden Kirchen auszuräumen. Aber ein Anfang könnte doch gemacht werden.