H. W., Kiel

In zwei Schlachten schlug sich der Kieler Studienassessor Dr. Eberhard Cold, der im September 1962 aus dem Schuldienst entlassen worden war, mit dem Kieler Kultusministerium, und aus beiden Treffen ging er als Sieger hervor. Das Lüneburger Oberverwaltungsgericht bescheinigte ihm, daß er zu Unrecht entlassen worden sei. Er gelte als Beamter auf Lebenszeit. Auch mit einem Strafantrag wegen übler Nachrede hatte das Kultusministerium keinen Erfolg. Der Studienassessor wurde freigesprochen. Zwar sei, so meinten die Kieler Richter, objektiv der Tatbestand der üblen Nachrede erfüllt, Cold habe jedoch in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt.

In dem „Fall Cold“ scheint das Kieler Ministerium mit Kanonen auf Spatzen geschossen und etwas zu einer Affäre aufgeblasen zu haben, was friedlich – und ohne Kosten – beigelegt werden könnte. Eberhard Cold war entlassen worden, weil sein Religionsunterricht an der Holstenschule in Neumünster Mißfallen erregt hatte. Er las in der Sexta Christuslegenden von Selma Lagerlöf und beschäftigte sich in den Oberklassen mit vergleichender Religionsphilosophie. Das war im Lehrplan nicht vorgesehen und entsprach vor allem nicht den im Kirchenvertrag zwischen Schleswig-Holstein und der evangelisch-lutherischen Landeskirche festgelegten Richtlinien. In der Gerichtsverhandlung nannte Cold diesen Vertrag „Verfassungsverrat“.

Das Kieler Kultusministerium schickte dem Studienassessor einen Beamten der Schulaufsichtsbehörde ins Haus, der ihn umstimmen sollte. Lehrer Cold aber ließ sich von seiner Religionsphilosophie nicht abbringen. Als man ihn entlassen wollte, schickte er an alle Direktoren und Lehrer der Kieler Schulen einen Fragebogen über Glaubensfragen. Einem Kieler Rektor, der seine Handlungsweise kritisiert hatte, schrieb er, daß er auf Betreiben des Bischofs Halfmann entlassen worden sei. Das Kultusministerium sandte daraufhin einen Rundbrief an alle Kieler Schulen, in dem es hieß, die Entlassung des Studienassessors sei weder vom Bischof noch von der Landeskirche verlangt worden. Cold indessen ließ nicht locker. In Briefen an den Bischof und an die Lehrer der Kieler Schulen behauptete er, das Ministerium habe die Unwahrheit gesagt und sein Amt mißbraucht.

Das Resultat war der Strafantrag des Kultusministers wegen übler Nachrede. Der streitbare Lehrer aber blieb straffrei. Er kam mit einer Ermahnung davon. Cold, so meinte der Vorsitzende des Schöffengerichts, möge in der Wahl seiner Worte künftig vorsichtiger sein. Sein größter Feind sei nicht das Kieler Kultusministerium, sondern er selber.