Das finnische Volk hat links gewählt. Entgegen den letzten Prognosen der Demoskopen verloren die bürgerlichen Parteien bei der Reichstagswahl am Sonntag ihre Mehrheit im Parlament. Die großen Gewinner waren die Sozialdemokraten; sie konnten achtzehn Mandate dazugewinnen und sind nun die stärkste Fraktion (56 von 200 Sitzen). Mit der Gruppe der abtrünnigen Sozialdemokraten, die gleichfalls stärker wurden (von zwei auf sieben), und den Kommunisten, die schwächer wurden (von 47 auf 42) könnten sie eine "Volksfront" bilden.

Bis zum Wahltag hatten die Führer der Sozialdemokraten die Frage unbeantwortet gelassen, ob sie den Kommunisten, die seit 1948 politisch isoliert sind, die Rückkehr zur Macht gestatten würden. Auch die größte bürgerliche Partei, das Zentrum (ehemals Agrarunion), legte sich nicht fest. Ihre Führer plädierten vor der Wahl für eine möglichst breite Koalition, damit die Verantwortung für die Probleme der Industrialisierung auf viele Schultern verteilt wird.

Die Außenpolitik war kein Wahlkampfthema; diesmal ging es um Steuern, Preise, Subventionen und Wohnungsbau. Keine der nichtkommunistischen Parteien will die Neutralität des Landes und das freundnachbarliche Verhältnis zur Sowjetunion aufs Spiel setzen. Die Zentrumspolitiker stehen mit den Männern des Kremls sogar auf besserem Fuß als die Sozialdemokraten und Kommunisten. Staatspräsident Kekkonen, ebenfalls ein Bürgerlicher, wurde alljährlich von den Sowjets zur Jagd eingeladen.