Einer fehlte – "wegen Krankheit entschuldigt" – im Stresemann-Gedränge auf dem Wahner Rollfeld, als der Bundespräsident von seiner Afrikareise heimkehrte. Der vermißte Begleiter, der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, für den politischen Hausgebrauch als "Entwicklungsminister" bezeichnet, Walter Scheel, lag zu Hause im Bett, von Schmerzen geplagt, von Fieber geschüttelt. Die Pillen und Spritzen, die er sich hatte einverleiben lassen müssen, waren ihm schlecht bekommen. Den Rest gab ihm ein veritabler Sonnenstich, den er sich am Schluß der Reise in der Sahara zugezogen hat.

In liegender Lebenslage gibt der Minister Auskunft über die Afrikareise, bei der er den Bundespräsidenten begleitet hat.

"Hat der Entwicklungsminister – außer Nervenentzündung und Sonnenstich – neue Erkenntnisse zur Entwicklungspolitik mitgebracht

"Ja, vor allem die Erkenntnis, daß im Zusammenhang mit unserer Entwicklungshilfe in den Entwicklungsländern das Kontingent an deutschen Landsleuten ständig zunimmt. In allen Ländern, die wir besucht haben, konnten wir eine stattliche Zahl von Deutschen begrüßen, die dort durch ihre Arbeit und durch ihr Auftreten viel für das Prestige unseres Landes tun. Eine andere Erkenntnis ist die, daß es sich für die Gebenden wie für die Nehmenden bezahlt macht, Entwicklungshilfe auf bestimmte Projekte zu konzentrieren. Bei unseren afrikanischen Partnern setzt sich die Einsicht durch, daß mit Schaugeschäften auf die Dauer kein Staat zu machen ist, wohl aber mit technisch und ökonomisch sinnvollen Anstrengungen."

"Demnach gibt es auch technisch und ökonomisch sinnlose Anstrengungen?"

"Bei unseren Partnern gibt es gelegentlich Wünsche und Vorstellungen, die mehr dem Prestigedenken eines Stammeshäuptlings als dem wirtschaftlichen Sachverstand eines Nationalökonomen entsprechen. Der Ostblock hat es verstanden, da und dort, etwa in Ghana, solche Statussymbole ohne Sinn und Zweck zu errichten. Inzwischen begreifen die damit Beschenkten, daß sich ihr Lebensstandard durch große Stadien und glänzende Fassaden nicht hebt. Um so mehr Verständnis haben sie für unsere Hartnäckigkeit, durch unsere Entwicklungshilfe für volkswirtschaftliche Mehrleistung zu sorgen. Das nützt dem Land und ist auch nützlich für uns, da dadurch erst die Voraussetzung für die Rückzahlung unserer Kredite geschaffen wird."

"Es sind gerade in jüngster Zeit einige Beispiele für geradezu tragikomische Fehlplanungen bekannt geworden: Straßen ohne Fahrzeuge, Häfen ohne Schiffe..."